Newsletter Oktober 07

Doppelt stark: Gedichte mit bildender Kunst gepaart

Liebe Leserinnen und Leser,

Bertolt Brechts Stücktitel "Im Dickicht der Städte" steuerte die Lösungszeile zum Cento-Städtespiel bei. Hier gelangen Sie zur Auflösung des gesamten Rätsels.
Und: Die Lose sind inzwischen gezogen. Die beiden Buchgewinne - die Auswahl fiel jeweils auf "Stimmen im Kanon" (Hg. Ulla Hahn) - gingen an Hilde Hack (Köln) und Johanna Kuppe (Waiblingen). Herzlichen Glückwunsch an die beiden Dichterinnen, allen leer Ausgegangenen ein Danke fürs Mitmachen und den Trost, dass es auch in Zukunft Spiele geben wird.
Der heutige Newsletter führt Sie u.a. nach Zürich. Hier findet Ende Oktober eine spannende "Begegnung" zwischen Paul Celan und Joseph Beuys statt, - ein Anlass, Kunst und Lyrik insgesamt zum Thema dieser Ausgabe zu machen.

Viel Spaß bei der Lektüre!

1. Poetische Führungen im Kunsthaus Zürich
2. Anthologien: Gedichte und Bilder
3. Der Buchkünstler Felix Martin Furtwängler
4. Urton und Merz: Kurt Schwitters

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1. Poetische Führungen im Kunsthaus Zürich

Kunst hören und sehen - in dieser Doppelung gestaltet Barbara Hellermann - ihre poetischen Führungen im Kunsthaus Zürich. Die Reihe startet am 30. Oktober unter dem Motto "Celan trifft Beuys". Am 29. November folgen Liebesgedichte - "Lieb ist kein Narr der Zeit". Die Themen "Heimat und Fremdsein" sowie "Blumenwelten" sind für Februar und April 2008 angekündigt.

Gerade die Poesie eignet sich dazu, Worte über das Sprechen und Hören tiefer zu erfassen. Die Sprache rückt selbst in den Mittelpunkt und wird in ihrem Wesen erfahrbar. In der Kombination mit Bildern überschneiden sich unterschiedliche Wahrnehmungsräume: einmal Lautbewegung, Melodie und Rhythmus, dann Farbe und Form. Eine Fokussierung findet statt, Gefühle verstärken sich, geraten mitunter sogar in Widerstreit. Die Gleichzeitigkeit von Sehen und Hören und ihre gegenseitige Steigerung setzen umso mehr Erkenntnis und schöpferisches Potenzial frei. Im Dialog von Poesie und bildender Kunst weitet sich nicht nur sinnliches Erfassen. Es verfeinert sich auch die Fähigkeit, "Worten auf den Grund zu gehen" und noch unbekannten Sprachraum zu öffnen.

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2. Anthologien: Gedichte und Bilder

Ob Fotografien von Robert Mapplethorpe, Zeichnungen von Cy Twombly oder Aquarelle von Albrecht Dürer und Emil Nolde: Auch in gedruckter Form paart sich Kunst gut mit Gedichten. O Stern und Blume, Geist und Kleid ... heißt es bei Clemens Brentano, dessen Vers Titel der von Marianne Schneider und Lothar Schirmer herausgegebenen Anthologie ist, die Blumenbilder und Gedichte von Leonardo da Vinci bis Ernst Jandl vereint. Wirklichkeitsgetreu oder metaphorisch, in gegenseitiger Untermalung oder in Gegensatz gebracht, besticht der Band in seiner Feinheit und Vielfalt, mit der er das Blumenmotiv in der Lyrik und Kunst durch die Jahrhunderte hindurch versammelt. Von der allgegenwärtigen Rose bis zum Löwenzahn, der welken Blüte bis zum Samen zeigen Bilder wie Gedichte einen Reichtum, der im Leser und Betrachter aufgehen soll. Rose Ausländer folgert konsequent: "Wann ziehn wir ein/ ins besamte Wort .../ Wortall".

Bilder und Skulpturen in dichterisches Wort übersetzt, macht eine andere Anthologie zu ihrem Auswahlprinzip. In dem von Gisbert Kranz herausgegebenen Band Gedichte auf Bilder wird die Kunst selbst Thema. Perspektiven, Deutungen, die die Dichter in ihren Versen vorgeben, laden den Leser, die Leserin zum Nachvollzug und zum Dialog über die Rezeption eines Kunstwerks ein.

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3. Der Buchkünstler Felix Martin Furtwängler

Den umgekehrten Weg, Sprache zur Bildkunst zu machen, geht Felix Martin Furtwängler (*1954). In seinen Künstlerbüchern und Buchobjekten ist der expressionistische Einfluss spürbar, - auch in der Hinwendung zu Dichtern dieser Epoche, deren Werk er neben eigenen Texten illustriert. Holz- und Linolschnitte, Radierungen und farbintensive Bilder bzw. Übermalungen zeichnen sein umfangreiches Oeuvre aus. Die Lyrik von Gottfried Benn, Georg Trakl oder Georg Heym, von August Stramm oder Else Lasker-Schüler wandeln sich in seiner Bearbeitung zu einer neuen Einheit von Wort und Bild.
Angst, Verlassenheit und Resignation sind Leitmotive Furtwänglers. Und dennoch durchziehen Humor und Hoffnung sein Werk, wenn Papier, Farbe und Druck neue Räume öffnen, - durchaus im wörtlichen Sinn. In der Vielfalt der Techniken nämlich, mit denen der Künstler Wortbilder und Bildsprache verschmilzt, wird beispielsweise der Karton durch Schnitte aufklappbar und enthüllt bisher verborgene Dimension.

Der Katalog Poeta wohin? - repräsentative Ausstellungen fanden in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und in der Bayerischen Staatsbibliothek München statt - fasst Arbeiten Furtwänglers eindrücklich zusammen.

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4. Urton und Merz: Kurt Schwitters

Künstler und Lyriker in einer Person ist Kurt Schwitters (1887-1948). Ob mit den bekannten "Merz"-Bildern oder der "Merz"-Dichtung - die Sprache wird dem Rundumkünstler zum Experiment. Aus ComMERZbank, einem Zeitungsfragment auf einer Collage von 1919 entnommen, wählt Schwitters fortan die auffällige Silbe als Sammelbegriff seiner Kunst. In den vielfältigen Assoziationen von März und Frühlingsaufbruch bis zum Ausmerzen und Löschen unliebsamer Dinge steht "Merzen" für das Sammeln unterschiedlicher Materialien, um sie in neuer Struktur zusammenzufügen und weiter wachsen zu lassen.
Stimme, Rhythmus und Lautstärke sind in solcher Weise die "Basis" der Texte, die Kurt Schwitters in zahlreichen eigenen Lesungen zum Besten gibt. Die "Ursonate" bzw. "Sonate in Urtönen" gilt ihm selbst als seine wichtigste dichterische Arbeit. Das Werk liegt nicht nur in der Druckfassung vor, sondern ist auch heute noch auf CD im Originalton Schwitters zu hören. Wer zudem Fotografien der Vorführung sehen möchte oder überhaupt Informationen zu Künstler und Werk sucht, ist unter der Adresse www.kurt-schwitters.org gut versorgt.

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Die Geschenklisten für Weihnachten nahen. Vielleicht ist mit Felix Martin Furtwänglers Band oder der Blumen-Anthologie bereits ein Wunsch konkretisiert. Bis zum November-Newsletter wünsche ich Ihnen zunächst jedoch noch goldene Herbsttage.
Ihre
Michaela Didyk

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