Newsletter März 09
"Wortspiele" und ein Lyrikkurs zum Frühlingsanfang
Liebe Leserinnen und Leser,
gibt es wirklich ein "Wissen, daß die Menschheit nie ohne Verse gelebt hat und ohne Verse nie leben wird"? Der Schweizer Literaturwissenschaftler Peter von Matt spricht es zumindest den Dichtern zu, die von der Dauerhaftigkeit ihrer Werke überzeugt sind. "Die Dichtung gehört zum Planeten wie Blitz und Donner." Mit diesem Satz endet von Matts Band "Wörterleuchten", zu dem Sie weiter unten mehr erfahren.
Die UNESCO hatte wohl mehr Bedenken um den lyrischen Bestand und richtete vor zehn Jahren den "Welttag der Poesie" ein, der stets am 21. März zeitgleich mit dem Frühlingsanfang stattfindet. In Linz, Kulturhauptstadt Europas 2009, können Sie dagegen vom 15. bis 18. April die Tage der Poesie mitfeiern. Das Festival unter dem Motto Für die Beweglichkeit verbindet Lesungen spartenübergreifend mit Vorträgen, Musik und Ausstellung und legt dabei die ursprüngliche Bedeutung von „Poiesis“ als sinnlich-schöpferischen Prozess des Herstellens, Verfertigens und Vermittelns zugrunde.
In solchem Dreiergespann lassen sich auch die heutigen Newsletter-Punkte zusammenfassen.
Viel Spaß bei der Lektüre!
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1. Die Natur ergründen und Klischees vermeiden. Ein Lyrikkurs wider die Idylle
2. "Wortspiele" mit jungen Autorinnen und Autoren
3. "Wörterleuchten - Kleine Deutungen deutscher Gedichte"
4. Einsatz für den Blockade-Notfall: Zwei Sondermagazine bei TextArt
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1. Die Natur ergründen und Klischees vermeiden. Ein Lyrikkurs wider die Idylle
Johannes Bobrowski wollte seine Gedichte nicht als Naturlyrik eingestuft sehen. Ambivalent war und ist vielen zeitgenössischen LyrikerInnen die Bezeichnung Naturgedicht. Zu schnell verenge es sich auf Idylle, heile Welt und Abgehobenheit.
"Von überallher duftete es auf einen zu; kein deutscher Verseflechter, der nicht durch die Blume sprach", so nahm Peter Rühmkorf die Dichter der Nachkriegsgeneration aufs Korn. "Kalmusduft kommt wild und würzig/ Kraut und Rüben gleich Gedicht". Dass er dabei u. a. Wolfgang Weyrauch oder Günter Eich - zu Recht oder Unrecht - im Visier hatte, machen die Schlussverse seiner "Naturlyrik" (1959) deutlich, lassen sich mit den Nachnamen doch vortrefflich Pflanzen benennen.
Im viertägigen Lyrikkurs online vom 23. bis 26. April stehen Gedichte mit Bezug auf die Natur im Mittelpunkt. Ausgangsbasis sind Texte von Marie Luise Kaschnitz, Sarah Kirsch, Thomas Kling, Friederike Mayröcker, Reiner Kunze, Galsan Tschinag oder eben auch Bobrowski.
Wie verwenden diese DichterInnen Naturmotive, wie ändern sie den Kontext, damit die poetische Sprache unverbraucht neue Blickwinkel öffnet? Wie sind Jahreszeiten, Monate oder Naturraum übergreifend mit gesellschaftspolitischen Themen, mit der Liebe und schließlich mit der Reflexion auf die Dichtung selbst verknüpft? Die Natur war traditionell die Quelle der Inspiration. Ausgedient hat sie in dieser Rolle auch bei Sprachspiel und Versexperiment noch nicht.
Detaillierte Informationen zum Lyrik-Intensivkurs finden Sie hier.
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2. "Wortspiele" mit jungen Autorinnen und Autoren
"Drei Nächte Kontakte, Austausch und Spaß für junge europäische Autoren und ihre Leser" heißt es im Konzept des Internationalen Festivals für junge Literatur Wortspiele. In München 2001 gestartet, ab 2004 auch jährlich in Wien veranstaltet, bietet Wortspiele Autorinnen und Autoren eine Plattform, um sich mit eigenen Texten zu repräsentieren. Initiator Johan de Blank versteht das Festival als "ein Treffen für junge Autoren verschiedener Couleur" und zielt dabei auf "ein junges, urbanes Publikum mit eigenen Bedürfnissen und neuem Selbstverständnis".
Wollen Sie also in der Literaturszene auf dem Laufenden bleiben, lohnt sich ein Besuch des Festivals oder zumindest - online - ein Blick auf die Namen der Nachwuchsgeneration. Auf zehnseiten.de können Sie auch aus der Ferne der (vom Festival unabhängigen) Lesung des einen oder der anderen AutorIn beiwohnen.
Mit einem Klick gelangen Sie zum Programm der Wortspiele, die in München vom 26. bis 28. März und in Wien vom 3. bis 4. April stattfinden.
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3. "Wörterleuchten - Kleine Deutungen deutscher Gedichte"
Ein kurzer Text folgt dem Gedichtabdruck: Wer die FAZ am Samstag liest, kennt die von Marcel Reich-Ranicki begründete "Frankfurter Anthologie", in denen lyrische Texte quer durch die Jahrhunderte vorgestellt werden.
Peter von Matt, emeritierter Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich und beredter wie belesener Gast in Literaturrunden, ist auch als Autor bei der FAZ-Reihe aktiv. 60 seiner Gedicht-Artikel sind nun in seinem Band Wörterleuchten. Kleine Deutungen deutscher Gedichte versammelt.
Von Friedrich Schiller bis Michael Krüger oder Monika Rinck, von Hermann Hesse bis Stefan George oder Else Lasker-Schüler - zu jedem Gedicht und seinen VerfasserInnen steuert von Matt Tiefsinniges, Humorvolles, in jedem Fall den Horizont Erweiterndes bei.
"Die pointierten, erhellenden, in einem vorbildlichen Deutsch vorgetragenen Ausführungen Peter von Matts", schreibt Günter Ott, "kommen auf eineinhalb bis zwei Seiten unter. Das Gedicht findet wie selbstverständlich zu seiner Deutung, und beides wird als Lesevergnügen und Denkstück an den Leser weitergereicht." Der Titel "Wörterleuchten" könnte nicht besser passen.
Die gesamte Rezension zu Peter von Matts Buch finden Sie hier.
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4. Einsatz für den Blockade-Notfall: Zwei Sondermagazine bei TextArt
Das Magazin TextArt rangiert in der kreativen Schreibszene in Spitzenposition. Die Hefte mit Tipps, Interviews, Hintergrundberichten, Buchbesprechungen und Informationen, die exakt auf die Bedürfnisse der AutorInnen zugeschnitten sind, kommen viermal pro Jahr heraus. Zwei zusätzliche Magazine sind nun erschienen, die teils auch inzwischen vergriffene Artikel aus den vergangenen Jahren zusammenfassen und die Kreativität anregen.
Themenheft 1 befasst sich mit der Schreib-Inspiration: Ob Ihre "Ideen sprudeln wie ein Bach im Frühling" oder Ihnen die "Illumination auf dem Sofa" lieber ist, liegt ganz in Ihrem Ermessen.
Das Textart-Sonderheft enthält dagegen aus den ersten vier Jahren des Magazins (2000-2004) die besten Praxisartikel. Hier finden Sie Anregung, wie Sie den Alltag ausklammern, um endlich Ruhe zum Schreiben zu finden. Oder Sie bannen das anfängliche Schreckgespenst eines leeren Blattes, das Sie lähmt. DichterInnen, die neben der Lyrik auch an Roman und Erzählung arbeiten, haben hier vor allem Gewinn.
Wer also im Blockade-Notfall solche "Gebrauchsanweisungen" gebündelt zur Hand hat, bringt Pegasus schnell wieder auf Trab.
PS: Im Archiv finden Sie alle bisher erschienenen Magazine. Sie können neben einem Großteil der Ausgaben - nun neu - auch einzelne Artikel als pdf bestellen.
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Ich wünsche Ihnen bis zum nächsten Newsletter eine schaffensfrohe Phase. Wenn hier - mit derzeit dicken Schneeflocken vor dem Fenster - "grüne Ostern" dazukommen, um so besser!
Herzliche Grüße
Ihre
Michaela Didyk
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