Lyrik trifft Kunst
Anleihen bei Bild und Skulptur

- © Erika Wagner: Seesicht 2008 (Einzelbild aus Video)
Das Bild ist mit die wichtigste Komponente der lyrischen Sprache. Warum sollte man sich also nicht aus der Kunst direkt Anregung holen? Farbe, Perspektive, Form, Komposition, durchaus auch Rhythmus bilden Verbindungen zwischen den beiden Kunstsparten.
Doch die Übersetzung eines Aquarells oder Ölbildes, einer Skulptur oder Collage in die Sprache stößt schnell an Grenzen. Die Gefahr der Bildbeschreibung lauert, das Gefühl, alles adäquat in das Gedicht hineintragen zu müssen, blockt poetische Gestaltungsmöglichkeiten. Die setzen auf Leere und Verfremdung, um im Leser genug Raum für eigenen Ideenflug zuzulassen.
Es geht um Dialog. Ein bereits vollendetes Kunstwerk beginnt zu sprechen, braucht Fragen, die seine eigene Fülle erschließen. Beim Transfer von einem ins andere Medium schiebt sich die eigene Interpretation dazwischen. Warum sollte man also den Leser des Gedichts nicht zur Diskussion über das Kunstwerk einzuladen?
In einem der Online-Kurse können Sie sich bereits intensiv auf den Austausch mit Bild und Skulptur einlassen. In der neuen Reihe "Lyrik trifft Kunst" ist es das umso stärkere Erlebnis im Museum oder "Kunstraum", bei dem die "Aura der Werke" unmittelbar spürbar wird und Einfluss auf Ihr Dichten nimmt.
Cy Twombly - Museum Brandhorst, München
23. März 2012
Cy Twomblys Zeichnungen und Gemälde wirken zart und lyrisch, seine weniger bekannten Plastiken verbreiten Leichtigkeit und Inspiration. Die Sammlung Brandhorst gibt mit über 60 Werken Twomblys einen umfasenden Überblick über den künstlerischen Werdegang des Amerikaners, der 1928 in Lexington, Virginia, geboren wurde und heute in Rom lebt.
Bereits in den frühen 1950er Jahren bereiste Twombly zusammen mit Robert Rauschenberg den Mittelmeerraum. Ab den 60ern dehnte Twombly die früheren Aufenthalte in Spanien, Italien und Nordafrika nach Griechenland hin aus und nahm mythologische Themen in seine Bildsprache auf.
In einem der zentralen Säle des Museum Brandhorst, der nach den Wünschen des Künstlers gestaltet wurde, ist der zwölfteilige Zyklus Lepanto (2001) zu sehen. Twombly greift hier die Geschichte der bedeutenden Schlacht im Golf von Korinth auf, bei der 1571 eine Allianz aus spanischen, venezianischen und päpstlichen Truppen die Osmanen in einem Seegefecht besiegten. 260 türkische und 211 christliche Schiffe standen sich gegenüber, am Abend hatten an die 38000 Menschen ihr Leben verloren. Der Wandel eines noch hoffnungsvollen Sonnenaufgangs zum blutigen Schlachtenende vermittelt sich in der Serie der Bilder, deren Farbnuancen das ungeheuere Geschehen vor allem in seiner emotionalen Tiefe vielschichtig fassen.
Doch nicht nur "Lepanto" soll beim Kunsttag im Museum im Mittelpunkt stehen, auch die Skulpturen, Bilder mit Graffiti und Kinderfingermalerei, Blumenmotive oder die monochrom weißen Zeichnungen. Gerade diese enthüllen erst beim genauen Blick, wie aus Tropfen und Streifen, pastosen Übermalungen oder breiten Pinselstrichen eine Fülle an Weißschattierungen entsteht, die das Auge in Bann halten.
Ablauf und Organisation des "Kunstausflugs"
- Treffpunkt Freitag, 23. März 2012, 10.30 Uhr, im Museum Brandhorst
- Privatführung zu Cy Twombly und seinem Œuvre
- Mittagspause (in Museum oder Umgebung möglich)
- Lyrische Umsetzung der Eindrücke bei freier Auswahl, welche Bilder und Skulpturen Twomblys Sie für Ihr Schreiben in den Fokus rücken. Sie erhalten als Unterstützung themenspezifisch aufbereitete Schreibimpulse, die Ihnen unterschiedliche Zugänge zum Werk erschließen.
Während der Schreibzeit keine feste Gruppenbindung, jedoch im jederzeit möglichen Austausch mit der Kursleitung. [Klappstühle werden durch das Museum gestellt.] - Besprechung der Texte und Diskussion im Museumscafé oder vor dem jeweiligen Kunstwerk
- Ende gegen 16.30 Uhr
Das Museum Brandhorst schließt um 18 Uhr. Im Anschluss an "Lyrik trifft Kunst" steht Ihnen das Museum daher noch für Eigeninitiativen offen.
Die Kombination von Literatur und Kunst ist im Museum Brandhorst übrigens gut aufgehoben. Die Zusammenarbeit von Dichtern und Malern lag bereits zu Beginn der gemeinsamen Sammlertätigkeit im Interesse des Stifterpaares. Das sollte beim Dichten also anstecken :-)
Kosten und Anmeldung
- Kosten: 130 Euro inklusive Eintritt und Führung
- Zu "Lyrik trifft Kunst" anmelden

