Im Transfer der Medien

Gedichte als Antwort auf Bild und Skulptur

19. bis 22. Februar 2012
(ebenso Februar 2013)

Nicht, dass ich mich für einen Maler hielte, aber das Malen ist wunderbar. Man hat nachher nicht, wie beim Schreiben, schwarze Finger, sondern rote und blaue.
 Hermann Hesse

Kasimir Malevich: Engländer in Moskau

Manche sind Maler und Dichter zugleich: Markus Lüpertz, Egon Schiele, Henri Michaux, Kurt Schwitters, Alfred Kubin, Günter Grass oder Robert Gernhardt. Andere lassen sich durch die Lyrik zur Kunst inspirieren oder kommen über Gemälde, Fotografie und Bildhauerei zu ihren Versen.
Worte, oft in einzelne Buchstaben zerlegt, finden in Bildern ihre neue Umgebung, Gedichte erscheinen auf farbiger Leinwand oder in das Material geritzt. Anselm Kiefers Vorliebe für Texte Ingeborg Bachmanns und Paul Celans sind hierfür bekannt.
Was verändert sich für ein Gedicht, wenn es in ein anderes Medium übergeht? Was gewinnt es, wenn es sich aus der bildenden Kunst nährt? Zeichnen ist nur „eine andere Weise, die Linien zu tippen“. Solcher Auffassung war Jean Cocteau. Für ihn fielen Dichten und zeichnerische Tätigkeit zusammen. Ezra Pound sieht die einzelnen Kunstformen dagegen je nach Bedarf im Einsatz. Will man nur Klang, so wählt man Musik, für die dreidimensionale Form ist die Skulptur richtig, Gemälde stehen für Farbe und Form - und die Lyrik? Sie vermag nach Pound am besten dem Wunsch nach einem "Bild oder eine[r] Reihe von Bildern" gerecht zu werden.

Aus den unterschiedlichen Bekenntnissen von Künstler/innen lassen sich wertvolle Hinweise auf den Stellenwert der Lyrik herauslesen. Sie erhellen zusätzlich aber auch die Einsatzmöglichkeiten einzelner künstlerischer Verfahren, die, auf das lyrische Schreiben übertragen, zu ungewöhnlicher Idee und innovativem Ausdruck führen.

Der gekonnte Aufbau lyrischer Aussage

Sich in der poetischen Sprache auf Bilder und Skulpturen zu beziehen oder auch nur ein Detail zum Ausgangspunkt eines Zwiegespräch zwischen Gedicht und Kunstwerk zu machen, erfordert im Transfer der Medien Einschnitt, Auswahl und Umstrukturierung der ursprünglich künstlerischen Aussage. Die Gefahr, anstelle einer lyrischen Botschaft in eine bloße Beschreibung des Kunstwerks abzugleiten, verlangt von der Dichterin/ dem Dichter die Fähigkeit, sich zu distanzieren und aus einer Gesamtschau einen Fokus zu setzen. Ob die poetische Antwort nahe am Kunstwerk bleibt oder darüberhinaus neue Dimension entwirft, folgt erst als nächster Schritt.

Im Vier-Tage-Intensivkurs gewinnen Sie unterschiedliche Zugänge für die lyrische Arbeit mit Kunstwerken.

Gewinn aus dem Dialog mit der Kunst

Impressionistisches Gemälde Claude Monets in Grün-Blau-Tönen. Seerosen schwimmen im Gewässer, Bäume spiegeln sich in der Wasseroberfläche.
Claude Monet: Seerosen

Der Gewinn solch kombinatorischen Schreibens liegt in der Herausforderung, sich auf ein bereits fertiges Kunstwerk einzulassen.

  • Dieses wird in seiner Kommunikationsstruktur aufgebrochen, damit es in einem nun lyrischen Umfeld wieder auferstehen kann.
  • Im produktiven Umgang mit Kunstwerken erweitert sich Ihr dichterisches Handwerk,
  • genauso aber auch Ihr Vermögen, unterschiedliche Kontexte in origineller Perspektive zu kombinieren.
  • Schließlich öffnen sich der Lyrik im Blick auf andere Künste Inspirationsquellen, die Ihnen einen möglichst hohen Flow sichern.

Die Kursunterlagen mit vielfältigem Bildmaterial, lyrischem wie kunsttheoretischem Know-how und inspirierenden Schreibimpulsen geben Ihnen eine umfangreiche Basis, auf der Sie sofort in die praktische Umsetzung einsteigen können: Kunst und Lyrik begegnen sich.
Der online-Kurs wendet sich an versierte Dichter/innen, die Freude am Erweitern ihrer lyrischen Ausdrucksweise haben und sich gerne auf Sprachexperimente einlassen. Im Feedback durch die Kursleitung und die ForumskollegInnen entsteht eine intensive Arbeitsatmosphäre. Die Lyrikkurse sind auf kleine Teilnehmer/innen-Gruppen ausgerichtet.

Kosten und Anmeldung

Hier können Sie sich die Ausschreibung für den "Lyrik-Kunst-Kurs" auch mit einem Klick auf den roten Link herunterladen.

Im_Transfer_der_Medien_Der_Dialog_mit_Kunst_Lyrikkurs_online.pdf

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Termine

Februar bis März 2012

23. Februar

Schreibnacht online:
Augen & Blicke - "Aus fremden Augen starrt die Stadt mich an" (Mascha Kaléko) 

2. bis 3. März

Erfolgsfaktor Literaturbetrieb
Auf der Suche nach Nischen und Neuland.
Autorenwerkstatt in Berlin
Kursleitung: Margrit Manz

9. bis 10. März

Lyrik-Lektorat online:
Von Website bis Web 2.0. Das Internet für Werk und Namen nützen

20. März

BeGEISTert dichten:
Neuanfänge und die Quelle der Inspiration

23. März

Lyrik trifft Kunst
Cy Twombly - Museum Brandhorst München

26. März

Schreibnacht online:
Im Bann der Musik - „Du meine Neunte letzte Sinfonie!" (Erich Kästner)