Naturlyrik
Gegen das Klischee der Jahreszeiten anschreiben
22. bis 25. August 2012 (voraussichtlich)

- © Piknik1977/ www.sxc.hu
"da stürzen Lüfte sich zuhauf / von Silberseen umwellt"
Friederike Mayröcker, 'August'
Die Naturlyrik, seit der Antike eine lebendige Tradition, hat vielerlei Ausformungen. Häufig wird die Natur dem im Gedicht sprechenden Ich zum Erlebnisraum. Ebenso verhilft sie ihm - ob religiös oder spirituell ausgerichtet - nicht weniger oft zur kosmischen Einbindung seines Menschendaseins.
Idyllisch oder bedrohlich spiegeln Sonnenaufgang, Mondschein und Unwetter die inneren Gefühlswelten. So geht Naturlyrik oft in Liebesgedichte über. Bangen und Hoffen projiziert sich an den Sternenhimmel, kahle Äste, aufgebrochene Erde geben über Kummer und Abschied, über Tod Auskunft.
1945, als die Dichtung einen Neubeginn suchte, ist es der Fluchtraum, den die Motive aus Wald und Wiese, Vogelgesang und Landschaft bereit halten. Naturmagisch schreiben Dichter wie Wilhelm Lehmann oder Werner Bergengrün und wollen - fern aller Gesellschaft und Politik - eine Brücke in die Vergangenheit bauen, die den jähen Schaffensbruch kitten soll, den der Weltkrieg und Nationalsozialismus verursacht haben. Konträr zu solch heiler Weltauffassung nutzen Bert Brecht und später Hans Magnus Enzensberger oder Peter Huchel dagegen den Naturbezug gerade zur kritischen Spiegelung sozialer Verhältnisse.
Wald- und Wiesengedichte nennt Peter Rühmkorf in seinen Parodien manche Naturidylle seiner Dichterkollegen. Und Gottfried Benn klagt schon zuvor über immer wiederkehrende Sonnenuntergänge, in denen sich kein poetischer Sinn vertiefe.
Impulse für ein zeitgemäßes Dichten
Jahreszeiten, Landschaften, Blumen oder Bäume - im jahrhundertelangen Gebrauch sind viele Motive der Naturlyrik zum Klischee verkommen.
Die viertägige Lyrik-Werkstatt thematisiert am Beispiel moderner Naturgedichte nicht nur die unterschiedlichen Spielarten des Genres, sondern gibt vor allem Impulse für ein zeitgemäßes Schreiben.
Das Verhältnis von Mensch und Natur, die Bedeutung der Natur für das Dichten allgemein, rückt in den Blick. Autor/innen wie Marie Luise Kaschnitz, Christine Lavant, H. C. Artmann oder Johannes Bobrowski, ferner Thomas Kling, Sarah Kirsch, Silke Scheuermann oder Marion Poschmann führen mit ihren Texten in einem spannenden Bogen die Vielseitigkeit des Naturthemas vor Augen.
Für den online Lyrikkurs ergeben sich daraus folgende Arbeitsbereiche, in denen Sie Ihr Dichten vertiefen können:

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- Sie nutzen Naturmotive, um vielschichtig über eine bloße Idylle hinauszugehen.
- Mit poetischen Verfahren setzen Sie dem gängigen Motivreigen unverbrauchte Bilder entgegen.
- Ihre Naturwahrnehmung sensibilisiert sich und verwandelt sich in neuen poetischen Ausdruck.
- Sie entwickeln schließlich aus der Kenntnis der unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Naturlyrik ein eigenes Verständnis, das Ihren unverkennbaren Schreibstil prägt und stützt.
In der Verknüpfung von Information und intensiver Schreibpraxis erproben Sie die mannigfachen Möglichkeiten, das Naturthema aufzugreifen. Der Lyrik-Intensivkurs wendet sich an versierte Dichterinnen und Dichter, die mit Sprache und Form experimentieren wollen und die Reflexion über das eigene Schreiben nicht scheuen.
Kursgebühr und Anmeldung
- Ort: PC/ Laptop mit Internetanschluss
- Zeit: Das Forum ist während der Kurstage rund um die Uhr zugänglich.
- Preis: 380 Euro
- Zum Lyrikthema online 'Naturgedichte' anmelden
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