Lyrikthemen online

Verse schmieden, bis sie Funken schlagen

Liebesgedichte - 22. bis 25. Juli 2010

Das Herz liegt Ihnen auf der Zunge, aber es fehlen Ihnen die Worte, um Ihre Gefühle auszudrücken? Sie sind schüchtern und möchten auf lyrischen Wegen Ihr Glück versuchen? Oder Sie wollen Ihre Liebe ganz romantisch in einem stimmungsvollen Gedicht kundtun? Sollen die Verse gereimt sein, sagen Sie es durch die Blume oder frank und frei heraus, dass Sie verliebt sind?

© Rike / Pixelio

Nicht jeder hat einen Cyrano de Bergerac als „Ghostwriter“ hinter sich, der für das Stelldichein die richtigen Verse eingibt und die geliebte Seele zum Schmelzen bringt. So bleibt nur der eigene Versuch, dass Sie sich mit Stift und Papier oder PC ans Dichten wagen. Rechtzeitig zum Wonnemonat Mai – könnten auch Sie Ihr Gedicht dann als Herzensgabe geschrieben haben. Denn der online Lyrikkurs macht es Ihnen unter fachkundiger Anleitung möglich, in Zukunft Ihre Liebe ganz poetisch zu gestehen.
Liebesgedichte fordern in der Gefühlsbetonung besonders heraus, das richtige Maß an Abstraktion und ästhetischer Verfremdung einzuhalten.

Der Vier-Tage-Kurs gibt Ihnen daher einen roten Faden an die Hand:

Um Ihre Gefühle, ob zurückhaltend oder leidenschaftlich, unmittelbar zum Ausdruck zu bringen und nicht nur zu beschreiben, setzen Sie auf die Grundregeln der lyrischen Sprache.
Mit intensiver Sprachgestaltung wandeln Sie Ihre persönlichen Anteile, die zunächst in den Text einfließen, zum „lyrischen Ich“. In dieser Rolle erreichen Sie Ihr Gegenüber besser. Fallstricke, die Ihre poetische Liebeserklärung abstürzen lassen, vermeiden Sie nach diesem Lyrikkurs. Mit unterschiedlichen Gedichtformen landen Sie Ihren Herzenserfolg strategisch genau. Und selbst wenn Sie bisher nur von der großen Liebe träumen: Sie verleihen Ihrer Glücksvorstellung in poetischer Bildlichkeit originelle Impulse. Kitsch und Klischee bannen Sie dadurch aus Ihrem Gedicht.

Damit Sie zum modernen Minnesänger werden oder sich als Frau, an Sappho ein Beispiel nehmend, Ihre Liebeslieder und Liebesklagen im neuen Ton vorbringen, üben und erweitern Sie Ihr dichterisches Handwerk. Mit Sprachspiel und kreativen Methoden öffnen Sie Ihre Inspiration. Schritt für Schritt "erarbeiten" Sie so Ihre Verse über Liebe, Begehren, Freude und Leid.

Ihre einzelnen Stationen beim Dichten können so aussehen:

doch Eros zerwühlte mir / das Gemüt, wie ein Wind vom Gebirg in die Eiche fällt.
Sappho (610/ 620 v. Zeitwende)

Quelle: wikimedia

Im ausgewogenen Verhältnis von Theorie und Praxis ist der Lernstoff mit zahlreichen spielerischen Übungen aufgebaut. Um das vermittelte Wissen auch nach dem Kurs weiter vertiefen zu können, sind die Aufgaben teils mit Lösungen versehen, die ein eigenständiges und selbst kontrollierbares Arbeiten zulassen.
Während der online-Werkstatt erfahren Sie konstruktives Feedback im Plenum und durch die Kursleitung. Die individuelle Betreuung jeder Teilnehmerin und jedes Teilnehmers steht dabei im Vordergrund.
Neben dem Verfassen eigener Gedichte erhalten Sie die Möglichkeit, im Kurs an einem gemeinsamen Textprojekt mitzuwirken. Der Austausch mit Gleichgesinnten verstärkt zudem das eigene Zutrauen ins Schreiben und motiviert Sie, Ihr Talent zu verfeinern.
Mit dem regelmäßigen Quiz kann der vorgegebene Stoff jeweils am Tagesende nochmals überprüft werden. Weiterführende Literaturhinweise und Links, die teils mit Hörbeispielen verbunden sind, eröffnen ebenso den Zugang zur – zeitgenössischen – Liebeslyrik.

Zur allgemeinen Information über die Lyrikkurse online.

 

Kursgebühr und Anmeldung

 

 

Im Transfer der Medien - Gedichte als Antwort auf Bild und Skulptur

September 2010

Nicht, dass ich mich für einen Maler hielte, aber das Malen ist wunderbar. Man hat nachher nicht, wie beim Schreiben, schwarze Finger, sondern rote und blaue.
Hermann Hesse

Kasimir Malevich: Engländer in Moskau

Manche sind Maler und Dichter zugleich: Markus Lüpertz, Egon Schiele, Henri Michaux, Kurt Schwitters, Alfred Kubin, Günter Grass oder Robert Gernhardt. Andere lassen sich durch die Lyrik zur Kunst inspirieren oder kommen über Gemälde, Fotografie und Bildhauerei zu ihren Versen.
Worte, oft in einzelne Buchstaben zerlegt, finden in Bildern ihre neue Umgebung, Gedichte erscheinen auf farbiger Leinwand oder in das Material geritzt. Anselm Kiefers Vorliebe für Texte Ingeborg Bachmanns und Paul Celans sind hierfür bekannt.

Was verändert sich für ein Gedicht, wenn es in ein anderes Medium übergeht? Was gewinnt es, wenn es sich aus der bildenden Kunst nährt?
Zeichnen ist nur „eine andere Weise, die Linien zu tippen“. Solcher Auffassung war Jean Cocteau. Für ihn fielen Dichten und zeichnerische Tätigkeit zusammen. Ezra Pound sieht die einzelnen Kunstformen dagegen je nach Bedarf im Einsatz. Will man nur Klang, so wählt man Musik, für die dreidimensionale Form ist die Skulptur richtig, Gemälde stehen für Farbe und Form - und die Lyrik? Sie vermag nach Pound am besten dem Wunsch nach einem "Bild oder eine[r] Reihe von Bildern" gerecht zu werden.

Aus den unterschiedlichen Bekenntnissen von Künstler/innen lassen sich wertvolle Hinweise auf den Stellenwert der Lyrik herauslesen. Sie erhellen zusätzlich aber auch die Einsatzmöglichkeiten einzelner künstlerischer Verfahren, die, auf das lyrische Schreiben übertragen, zu ungewöhnlicher Idee und innovativem Ausdruck führen.

Sich in der poetischen Sprache auf Bilder und Skulpturen zu beziehen oder auch nur ein Detail zum Ausgangspunkt eines Zwiegespräch zwischen Gedicht und Kunstwerk zu machen, erfordert im Transfer der Medien Einschnitt, Auswahl und Umstrukturierung der ursprünglich künstlerischen Aussage. Die Gefahr, anstelle einer lyrischen Botschaft in eine bloße Beschreibung des Kunstwerks abzugleiten, verlangt von der Dichterin/ dem Dichter die Fähigkeit, sich zu distanzieren und aus einer Gesamtschau einen Fokus zu setzen. Ob die poetische Antwort nahe am Kunstwerk bleibt oder darüberhinaus neue Dimension entwirft, folgt erst als nächster Schritt.

Theo van Doesburg: Straatmuziek I

Im Vier-Tage-Intensivkurs gewinnen Sie unterschiedliche Zugänge für die lyrische Arbeit mit Kunstwerken.

Der Gewinn solch kombinatorischen Schreibens liegt in der Herausforderung, sich auf ein bereits fertiges Kunstwerk einzulassen.

Die Kursunterlagen mit vielfältigem Bildmaterial, lyrischem wie kunsttheoretischem Know-how und inspirierenden Schreibimpulsen geben Ihnen eine umfangreiche Basis, auf der Sie sofort in die praktische Umsetzung einsteigen können: Kunst und Lyrik begegnen sich.
Der online-Kurs wendet sich an versierte DichterInnen, die Freude am Erweitern ihrer lyrischen Ausdrucksweise haben und sich gerne auf Sprachexperimente einlassen. Im Feedback durch die Kursleitung und die ForumskollegInnen entsteht eine intensive Arbeitsatmosphäre.
Die Lyrikkurse sind speziell auf kleine TeilnehmerInnen-Gruppen ausgerichtet.

 

 

Naturgedichte. Gegen das Klischee der Jahreszeiten anschreiben

April 2011

"da stürzen Lüfte sich zuhauf / von Silberseen umwellt"
Friederike Mayröcker, August

Naturlyrik, seit der Antike lebendige Tradition, hat vielerlei Ausformungen. Häufig wird die Natur dem im Gedicht sprechenden Ich zum Erlebnisraum. Ebenso verhilft sie ihm - ob religiös oder spirituell ausgerichtet - nicht weniger oft zur kosmischen Einbindung seines Menschendaseins.
Idyllisch oder bedrohlich spiegeln Sonnenaufgang, Mondschein und Unwetter die inneren Gefühlswelten. So geht Naturlyrik oft in Liebesgedichte über. Bangen und Hoffen projiziert sich an den Sternenhimmel, kahle Äste, aufgebrochene Erde geben über Kummer und Abschied, über Tod Auskunft.
1945, als die Dichtung einen Neubeginn suchte, ist es der Fluchtraum, den die Motive aus Wald und Wiese, Vogelgesang und Landschaft bereit halten. Naturmagisch schreiben Dichter wie Wilhelm Lehmann oder Werner Bergengrün und wollen - fern aller Gesellschaft und Politik - eine Brücke in die Vergangenheit bauen, die den jähen Schaffensbruch kitten soll, den der Weltkrieg und Nationalsozialismus verursacht haben. Konträr zu solch heiler Weltauffassung nutzen Bert Brecht und später Hans Magnus Enzensberger oder Peter Huchel dagegen den Naturbezug gerade zur kritischen Spiegelung sozialer Verhältnisse.
Wald- und Wiesengedichte nennt auch Peter Rühmkorf in seinen Parodien manche Naturidylle seiner Dichterkollegen. Und Gottfried Benn klagt schon zuvor über immer wiederkehrende Sonnenuntergänge, in denen sich kein poetischer Sinn vertiefe.

Jahreszeiten, Landschaften, Blumen oder Bäume - im jahrhundertelangen Gebrauch sind viele Motive der Naturlyrik zum Klischee verkommen.
Die viertägige Lyrik-Werkstatt thematisiert am Beispiel moderner Naturgedichte nicht nur die unterschiedlichen Spielarten des Genres, sondern gibt vor allem Impulse für ein zeitgemäßes Schreiben.
Das Verhältnis von Mensch und Natur, die Bedeutung der Natur für das Dichten allgemein, rückt in den Blick. AutorInnen wie Marie Luise Kaschnitz, Christine Lavant, H. C. Artmann oder Johannes Bobrowski, ferner Thomas Kling, Sarah Kirsch oder Silke Scheuermann führen mit ihren Texten in einem spannenden Bogen die Vielseitigkeit des Naturthemas vor Augen.

Für den online Lyrikkurs ergeben sich daraus folgende Arbeitsbereiche, in denen Sie Ihr Dichten vertiefen können:

In der Verknüpfung von Information und intensiver Schreibpraxis erproben Sie die mannigfachen Möglichkeiten, das Naturthema aufzugreifen. Der Lyrik-Intensivkurs wendet sich an versierte Dichterinnen und Dichter, die mit Sprache und Form experimentieren wollen und die Reflexion über das eigene Schreiben nicht scheuen.

Kursgebühr und Anmeldung


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Termine

29. Juli

Schreibnacht online:
Gaumenfreuden - "sie nippen aus dünnen tassen" (Doris Runge)

2. bis 3. August

Lyrik-Lektorat online:
VollKlang

10. August

BeGEISTert dichten:
Springen über Stock und Stein (Erde)

26. August

Schreibnacht online:
Blickpunkte - "In deinen Augen trieben mal Delphine" (Thomas Kunst)

8. September

BeGEISTert dichten:
Aus der Mitte schreiben (Äther)

12. bis 15. September

Lyrik-Themen online:
Kunst und Künstler im Gedicht. Im Transfer der Medien II
Ausschreibung folgt

12. bis 14. November

Stadtgedichte Venedig
Perle und Spiegel. Muranos Glaskunst

19. bis 21. November

Lyrik-Werkstatt:
Dichten mit den Musen III. Von der Ernte zur Traumsaat. Lindenbühl (Schweiz)