Stadtgedichte

Perle und Spiegel. Muranos Kunst des Glasmachens als Alchemie des Gefühls

Venedig, 12. bis 14. November 2010 - ein Schreibexperiment in Lyrik und Prosa

Foto: Wikipedia/ EvelynS

Ich juble, wenn ich denke, daß ich in vier Wochen schon mit Dir von der Piazzetta aus nach dem Lido fahre oder nach Murano hin, wo sie Glasperlen machen und schönen Schmuck.
Theodor Fontane, Effi Briest

Spiegel und Perlen, wer assoziiert da nicht zum einen Glitzern, Festglanz und Schönheit, zum anderen Stimmungen: Leichtigkeit, Freude, Nähe oder Distanz und Spröde, vielleicht sogar Kälte.
Glas, transparent und filigran, kann auch hart sein, massiv. Im Feuer flüssig, wandelt sich der Grundstoff im Spiel der Elemente, wird zur Form. Ein rubinroter Kelch, ein spitzer Scherbe, ein gebrochener Spiegel - Glas bietet sich vielfältig an, in Bild und Symbol Gefühle zu übermitteln. Wie Erzählung oder Gedicht dabei unterschiedliche Akzente setzen, führt die alchemistische Verwandlung auf der Sprachebene fort.

Foto: Wikipedia/ Pinkythepug

Die Glasmacher hüten seit Jahrhunderten ihr Geheimnis. Aus Angst, dass sie mit ihren offenen Feueröfen Brände verursachen, verwies sie ein Edikt im 13. Jahrhundert aus der Stadt Venedig nach Murano. Abgeschieden in ihrer Enklave, durften die Glasmacher bei Todesstrafe die Insel nicht verlassen. Das Arkanum ihrer Glaskunst sollte gewahrt bleiben - und die spezielle Rezeptur ist bis heute in vielen Werkstätten wohl gehütet.

Weil es mir aber doch zu schwer fiel, Venedig ganz zu entsagen, so nahm ich meinen Aufenthalt in einem entlegenen Quartier von Murano ...
Friedrich Schiller, Der Geisterseher

Mit der Fahrt nach Murano, der bekanntesten der Venedig vorgelagerten Inseln, und mit den auf das Thema speziell abgestimmten Erkundungsgängen wird die Kunst des Glasmachens gleichsam zum Spiegel des Schreibens:

Mit Schreibanregungen sowie Textexperimenten lassen sich die konkret sinnlichen Erfahrungen der Erkundungsgänge und der Ausdruckswille ineinander verflechten. Von Freitag 18 Uhr bis Sonntag 18 Uhr - Pausen natürlich inbegriffen - arbeiten Sie an Gedichten oder Prosatexten, um sie für ein nicht alltägliches Erleben und entsprechende Gefühlslagen aufzuschließen.
Ziel des Kurses ist es nicht, Sie von Ihrer gewohnten Beschäftigung mit Lyrik oder Prosa abzubringen. Im Austausch zwischen Lyriker/innen und Erzähler/innen sollen gerade aus Ihrem "Expert/innenwissen" die Unterschiede im Zugang zum Stoff sowie in der Sprachgestaltung verdeutlicht werden. Die gemischte Schreibgruppe versteht sich also nicht als "Zufallstreffer". In gegenseitiger "Erhellung" wird bei diesem Schreibexperiment vielmehr die jeweils eigene literarische Sprache reflektiert und verfeinert.

Foto: Wikipedia/ JB

Mit dem Ausflug nach Murano und einem Stadtgang in Venedig - in der Umgebung des Gästehauses im Quartier des Tintoretto, wo Sie wohnen und das Seminar stattfindet - starten Sie den Samstag- und Sonntagmorgen.
Die spezifischen Themen- und Aufgabenstellungen helfen im Anschluss daran, Ihre Eindrücke in die lyrische oder erzählende Sprache zu bringen. Dass Sie dabei mit einem fein abgestimmten „Wissenspaket“ Ihr Handwerk des Schreibens vertiefen können und neue kreative Methoden erfahren, versteht sich in diesem Kursexperiment von selbst. Der intensive und konstruktive Austausch mit Kolleg/innen gibt zusätzliche Impulse. Die gemeinsamen Sitzungen am Freitag und Samstag dauern (mit ausreichender Pause für die Mahlzeiten) bis circa 22 Uhr.

Der Kurs richtet sich an versierte Schreiber/innen und ist für eine kleine Gruppe konzipiert. Zur Anmeldung sind zwei Textproben erbeten.

Informationen zu günstigen Zugverbindungen finden Sie auf den Aktionsseiten der DB, ÖBB oder SBB.

 

 

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