Fülle und Tanz im Blüten(t)raum

"Unter dem taumelnden Mond / Tanzen" (Else Lasker-Schüler)

Schamanische Schreibnacht | Mittwoch, 9. Juni 2021

Im vollen Grün haben die Kastanien ihre Kerzen aufgesteckt, Bäume und Büsche blühen, Gänseblümchen durchziehen die Wiesen, Pfingstrosen lösen die Tulpen ab. Der Frühling, voll entfaltet, ist zum Blüten(t)raum geworden, der auch uns hinauslockt.

Überträgt man die Jahreszeiten auf das Medizinrad, so ist seit der Walpurgisnacht der Nordosten erreicht. Die Energiequalitäten dieser Himmelsrichtung lassen sich in den Wochen bis zum Sommerbeginn als Bewegung spüren. Bringen Sie mit den poetischen Selbstreflexionen der schamanischen Schreibnacht also auch Ihre Wörter in Schwung!

Zur Bewegung kommt mit der Neun die Vollendung hinzu. Was vermissen Sie noch, um sich eins, sich ganz zu fühlen? Die verschiedenen Rollen stehen auf dem Prüfstand, ob sie denn der Energie des Lebenstraumes entsprechen und zur Ganzheit beitragen. Neun ist ebenso die Zahl des Mondes, kein Wunder also, dass die Große Göttin mit weiblicher Schöpfungskraft im Spiel ist.

Eine Festzeit, die Natur zu feiern

Nach der freizügigen Walpurgisnacht mit ihrem Hexenritt gilt gerade der Mai als Wonnemonat, der Frau und Mann zusammenführt. Das kann sich durchaus auch auf den gegengeschlechtlichen Anteil im eigenen Innern beziehen. Im Jahreszyklus ist es die Zeit der Großen Hochzeit zwischen Mondgöttin und grünem Mann. Von Beltane über Pfingsten mit seinem entflammten Wort bis zum längsten Tag der Sommersonnenwende dauert die Festzeit, die die Natur in ihrem Blühen feiert.

Die kosmische Bewegung durch die Jahreszeiten setzt in dieser Zeitspanne sexuelle Kraft frei. Leben und Liebe fließen auf die Erde, die Natur wird befruchtet und beseelt. Ob wir Menschen dieser Bewegung zu einer Ganzheit folgen, sie überhaupt wahrnehmen in unserem linear ausgerichteten Denken, bleibt offen. Die Beherrschung der Natur spricht in vielem dagegen.

Maibaum und Kranz, Phallus und Vulva – der Tanz um dieses auf Vereinigung und Ganzheit hinweisende Symbol der Mainacht könnte mit Sinnlichkeit und Lust zugleich alle Sinne für den Reichtum der Natur öffnen. Die Vermählung zwischen Himmel und Erde widersetzt sich der Aufspaltung in Geist hier und Körper dort gerade während dieser Jahreszeit. Die schöpferische Kraft und überschäumende Fülle – ganz irdisch – sprechen dagegen.

Auf in die schamanische Schreibnacht!

Ihr Schreiben im Nordosten des Medizinrades kann sich an Else Lasker-Schülers Versen orientieren: "Unter dem taumelnden Mond / Tanzen [...] / Wie ein heimlicher Brunnen / Murmelt mein Blut." Doch dieses leise Ahnen wird angesichts der prallen Blütenpracht zum Aufruf: "Lehrt eure Kinder das Füchsinneneinmaleins/ [...]/ Tretet aus Euren Schuhen". Marie Luise Kaschnitz macht in ihrem Gedicht Frauenfunk Mut zu Gesinnungs- und Rollenwandel.

Dichten Sie in der schamanischen Schreibnacht am Mittwoch, den 9. Juni 2021, beGEISTert mit! Lassen Sie sich von der überschäumenden Fülle der Natur anstecken. Ab 19 Uhr steigt dieses Fest der Sinne, zu dem Sie herzlich eingeladen sind.

  • Sie benötigen für die schamanische Schreibnacht keine Vorkenntnisse. Die Teilnahme setzt jedoch psychische Stabilität voraus. Schicken Sie mir gerne eine E-Mail, wenn Sie noch Fragen haben.

Ich freue mich auf Ihr Kommen! Falls Sie noch organisatorische Details brauchen, finden Sie diese auf der Startseite zur Schreibnacht. Zur direkten Anmeldung kommen Sie hier:

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