Wandelspiel mit Dichterworten

Wirklichkeit. Einige haben von der Wirklichkeit des Gedichts geschrieben. Große Worte. Je länger ich mit Gedichten umgehe, desto vorsichtiger werde ich ihnen gegenüber. Sicherlich, Gedichte führen ein Leben, in das sie einst von ihrem Autor entlassen wurden. Es gibt wohl auch so etwas wie eine momentane Leibhaftigkeit von Gedichten, dann nämlich, wenn man ihre Anwesenheit zu spüren glaubt, ihre eigentümliche Wirksamkeit, die nichts mit dem Zauber der Überredung, dem Glamour des Geheimnisses, der Aura eine fremden Daseins zu tun hat.

Karl Krolow: Poetisches Tagebuch. 1. bis 3. Tsd. Suhrkamp Verlag. Frankfurt am Main 1966. S. 15

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