Stadtgedichte

Venedig - Wasser und Stein

Lyrik-Werkstatt "Stadtgedichte Venedig" | November 2019
in Venedig, (voraussichtlich) Cannaregio

Stadtgedichte Venedig Lyrik-Werkstatt- Foto Dogenpalast von der Lagune aus gesehen
© PIL | Fotolia

"Stadtgedichte Venedig" - kann es unter diesem Motto überhaupt noch überraschende Verse auf die vielbesungene Lagunenstadt geben? "In der Gondel lag ich gestreckt und fuhr durch die Schiffe, / Die in dem Großen Kanal, viele befrachtete, stehn." Johann Wolfgang Goethe verfasste 1790 zu Beginn der zweiten Italienreise seine "Venezianischen Epigramme".

Dem Canal Grande widmeten auch Conrad Ferdinand Meyer und Friedrich Nietzsche Gedichte. "Mein Venedig versinkt nie", heißt schließlich eine Zeile Rose Ausländers, die damit der Serenissima ein Denkmal setzt. Rainer Maria Rilke ließe sich noch nennen, ebenso Georg Trakl, Peter Huchel, Günter Kunert oder Durs Grünbein und Friederike Mayröcker. Die Reihe der Lyriker/innen müsste noch nicht enden, wie Venedig-Anthologien beweisen. Eines ist also sicher: Mit Ihren Venedig-Gedichten sind Sie in bester Gesellschaft :-)

In und von Venedig inspiriert Gedichte schreiben

Brücken und Gondeln, der Dogenpalast und San Marco, überhaupt die zahlreichen Kirchen, die Torbögen, das alte Mauerwerk der Palazzi - diese Motive wiederholen sich seit Jahrhunderten in gereimten und ungereimten Strophen.

Doch Venedig hat mit der Biennale oder mit Santiago Calatravas kühnem Brückenschlag aus Glas und Stahl auch ein modernes Gesicht. Die Stadt zu erkunden und unbekannte Facetten zu entdecken, kann also durchaus neue "Stadtgedichte Venedig" hervorbringen. Direkt am Ort zu schreiben, bedeutet zudem, sich nicht nur mit allen Sinnen auf Venedig einzulassen, sondern sich auch von der aktuellen Situation inspirieren zu lassen.

Mit allen Sinnen überraschende Blickwinkel eröffnen

Im November, wenn der Touristenstrom abreißt, zeigt die Lagunenstadt ihre versteckten Reize. Die letzten Sonnenstrahlen laden ins Freie ein, bevor Nebel und Regen aufziehen. Der in den Sommermonaten harte Kontrast von Licht und Schatten schwächt sich ab, so dass Zwischentöne anklingen, sich Farbennuancen abzeichnen. Die Wahrnehmung wird genauer. In den leeren Gassen und im Schwappen des Wassers fallen Details auf, Geräusche dringen deutlicher ans Ohr.

Wie schaukeln die Lichter im Kanal? Wie verzerren die Wellen Umriss und Gestalt? Was spiegelt sich im glänzenden Türknauf? Wie hallen Schritte nach? Woher kommt das Kläffen der Hunde, die selbst unsichtbar bleiben? Motive, immer noch typisch für Venedig, tauchen auf und sind doch lebendiger, da sie sich im eigenen Sinneseindruck neu kombinieren. "Um eines Verses willen muß man viele Städte sehen, Menschen und Dinge [...]", Rilkes Zeilen bewahrheiten sich bei solch authentischem Schreiben direkt am Ort schnell.

Aus liebgewonnenen Klischees ausbrechen

Stadtgedichte Venedig-  Kanal, in dessen grünem Wasser sich ein Haus spiegelt
© Jürg Kleemann

Mit Bild und Klischee zu arbeiten, bietet sich in Venedig fast von selbst an. Die folgenden Fragen können daher für das Werkstatt-Wochenende Leitlinien vorgeben:

  • Wie können Sie bekannte, vielleicht sogar liebgewonnene Venedig-Ansichten durch Details präzisieren und verfremden?
  • Wodurch finden Sie Zugang zu Neuem und Unverbrauchten?
  • Sind es innere Einstellungen, Beobachtungen und/oder poetische Verfahren, die Ihnen originelle Perspektiven eröffnen?
  • Wie kann der unmittelbare Eindruck, den Sie auf einem Streifzug durch die Stadt gewinnen, Ihren individuellen Stil und Ausdruck erweitern?

Den eigenen Sinneseindrücken vertrauen

Sinneswahrnehmung und Erleben stehen in der Wochenend-Werkstatt "Stadtgedichte Venedig" im Vordergrund. Sie experimentieren und feilen an Ihrem lyrischen Ausdruck, um ihn - auch über die Atmosphäre der Serenissima hinaus - für besondere Stimmungen und Seelenempfindungen flexibel zu machen. Es geht dabei nicht um vollendete Gedichte, sondern dass Sie Wahrnehmungen in eine individuelle Sprache übersetzen und Klischees vermeiden.

Nach einer ersten Führung am Freitagabend gehen Sie am Samstag und Sonntag auch auf eigene Streifzüge durch Cannaregio, durch das Quartier des alten Malers Tintoretto, wo die "Stadtgedichte Venedig" stattfinden. Die spezifischen Themenimpulse und lyrischen Methoden inspirieren Sie, dass Sie Eindrücke sammeln und in Verse verwandeln.

"Stadtgedichte Venedig" - eine Lyrik-Werkstatt für Austausch, Wissenszuwachs und Inspiration

Stadtgedichte Venedig - eine der letzten kleinen Kanalbrücken ohne Geländer
© Jürg Kleemann

Im individuellen Austausch der kleinen Dichter/innengruppe erhalten Sie nicht nur konstruktives Feedback. Sie bauen ebenso Ihr Wissen aus und lernen kreative Methoden kennen, um Ihre Wahrnehmung und Ihr Schreiben zu vertiefen. Die gemeinsamen Treffen am Freitag und Samstag dauern - natürlich mit Pausen für die Mahlzeiten - bis circa 22 Uhr.

In der Lyrik-Werkstatt "Stadtgedichte Venedig" entwickeln Sie neue Schreib-Perspektiven: Sie erforschen zunächst die  Umgebung und nehmen die Atmosphäre auf. Dabei achten Sie auf Details, beobachten, horchen, ganz wie Ihre Intuition sie zieht. Im zweiten Schritt verwandeln Sie diese persönlichen Eindrücke in Verse. Ihre eigene Erfahrung – im Gedicht verallgemeinert, aber frei von Klischees - kann so auch heute noch der alten Lagunenstadt originelle Strophen beisteuern.

Termin, Ort, Kosten

  • Termin: Freitag, 18 Uhr, bis Sonntag, 17 Uhr
  • Ort: Venedig, (voraussichtlich) Cannaregio, nahe der Madonna dell'Orto
  • Kursgebühr: 480 Euro (ohne Unterkunft/Verpflegung)