Ingeborg Bachmann

Der Traum freier Schriftstellerexistenz

"Einmal muß das Fest ja kommen!" (Ingeborg Bachmann)

Ingeborg Bachmann  Foto ihres Gedichts "Wahrlich" an Hauswand Literatur-Schreibnacht Unternehmen Lyrik
Bachmanns Gedicht "Wahrlich" an einer Hauswand | Quelle: Tubantia wikimedia [CC BY-SA 3.0]

Als freie Schriftstellerin zu leben, hat sich Ingeborg Bachmann bereits seit frühester Jugend gewünscht. Mit ihrem Umzug nach Rom verwirklicht die Dichterin im Spätherbst 1953 ihren Lebenstraum. "Einmal muß das Fest ja kommen!", ruft sie schon ein paar Monate zuvor im Sommer bei ihrer Ankunft auf Ischia aus.

Knapp 20 Jahre später, 1972, nimmt Bachmann beim Empfang des Anton-Wildgans-Preises in der Dankrede auf ihre Schriftstellerexistenz Bezug. Deutlich benennt sie auch die Kehrseite dieses Lebensentwurfs:

"[...] ich existiere nur, wenn ich schreibe, ich bin nichts, wenn ich nicht schreibe, ich bin mir selbst vollkommen fremd, aus mir herausgefallen, wenn ich nicht schreibe. […] Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt […]".

"Literarisches Fräuleinwunder" -

Ingeborg Bachmann bahnt als zielstrebige, zudem attraktive, junge Autorin im männlich dominierten Literaturbetrieb der 1950er und 1960er Jahre ihren Weg. 1953 erhält die Klagenfurterin für ihre Lyrik den Preis der "Gruppe 47". Einladungen für Lesungen und Interviews folgen. Der erste Gedichtband "Die gestundete Zeit" erscheint noch im selben Jahr.

Das Magazin "Der Spiegel" widmet der Dichterin im August 1954 eine Titelgeschichte. Bachmann - mit Kurzhaarschnitt und knallrot geschminkten Lippen - prangt auf dem Cover. Man spricht vom "Literarischen Fräuleinwunder". Nicht nur Hans Werner Henze, der sie ermuntert, in ihr geliebtes "erstgeborenes Land", nach Italien, überzusiedeln, erhebt sie zur "poetessa assoluta". 

Ihren Werdegang inszeniert Ingeborg Bachmann in vielen Teilen selbst. Sie übernimmt gesellschaftlich vorgegebene Rollen und widersetzt sich doch zugleich den an sie gestellten Erwartungen. Die Freiheit ihres Schreibens und damit eng verbunden auch ihr politisches Engagement bleibt in den Beziehungen, sei es Paul Celan, Hans Werner Henze oder Max Frisch, vorrangig.

- oder der Anspruch an das eigene Schreiben

Ob Bachmann gegen die Verjährung der Strafverfolgung von NS-Verbrechen oder gegen die Wiederaufrüstung  in der BRD protestiert, ob sie mit ihrer Unterschrift den Vietnam-Krieg verurteilt - die Dichterin lässt sich nicht einschränken. Auch nicht, wenn ein offener Brief wie der Hans Weigels, ihres ersten Wiener Mentors und längst verlassenen Liebhabers, sie in konventionelle Reihe zurückdirigieren will. Bachmann definiert in rigoroser Wahrheitssuche ihren poetischen Ort, der - davon zeugt ihre Frankfurter Poetikvorlesung 1959 - zugleich politische Dimension hat.

Dennoch droht sie unter dem Druck höchsten Schreibanspruchs zu zerbrechen. Durch jahrelangen Alkohol- und Medikamentenmissbrauch gezeichnet und in Schmerzempfinden sowie Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt, stirbt Ingeborg Bachmann 1973 an den hochgradigen Verbrennungen, die herabfallende Zigarettenglut verursacht hat.

Ziel der Literatur-Schreibnacht "Ingeborg Bachmann"

Die Literatur-Schreibnacht gliedert das Porträt Ingeborg Bachmanns in drei Abschnitte. Dabei ist weder ein einheitliches Bild noch ein Psychogramm der facettenreichen Dichterin Ziel. Beleuchtet werden vielmehr Einzelaspekte, die - möglicherweise nicht nur - für Bachmanns lyrisches Schaffen wesentlich erscheinen:

  • Wahrheit - der eigene Anspruch an das Schreiben
  • Liebe - das Durchbrechen von Rollen und die Treue sich selbst gegenüber
  • Tod - die Suche nach dem Wort und das Verschwinden der eigenen Person

Anhand der Beispieltexte wird deutlich, wie offenliegend und doch ästhetisch verdichtet biografische Details das Bachmann'sche Werk durchziehen.  Dieses artifizielle Formbewusstsein der Lyrikerin kann gerade auch für Ihr eigenes Dichten neue Perspektiven eröffnen.

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