Ansichtskarten. Gedichte zur Reisezeit

"Rosa Schweine / Auf der Wiese. / Sonne: keine. / Viele Grüße." (Kurt Bartsch)

Schreibnacht online | Achtung! Eine Woche früher am 20. September 2018

Lyrikschreibnacht zu Ansichtskarten. Foto: leere Flasche im weißen Sand, daneben etwas Dünengras
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Wie halten Sie es mit Ansichtskarten? Kaufen Sie sich einen bunten Packen und erfüllen die Erwartungen der zuhause Gebliebenen? Oder lassen Sie schweigend lieber fünf gerade sein?

Verkürzen sich die Urlaubsgrüße zu SMS-Nachrichten, fliegen Ihre Fotos von Sonne und Meer sekundenschnell um die halbe Welt? Wie auch immer, in der Schreibnacht gibt es auf jeden Fall poetische Post.

Lyrische Postkarten oder Reisen in die Erinnerung

"Wenn einer fort ist, gibt es Ansichtskarten / Und ab und zu mal einen dicken Brief." Post aus der Ferne taucht als Motiv auch in der Lyrik auf wie beispielsweise in den gerade zitierten Versen Mascha Kalékos. Gottfried Benns Gedicht "Jena" beginnt mit einer Erinnerung an die Postkarte der Mutter, die an der Saale zur Kur weilte. Einen "Brief aus Aegina" schreibt Rolf Bongs. "Die welt wird verglichen / mit den ansichtskarten", so liest man es bei Reiner Kunze.

Wolf Wondratschek zieht "in den alten Autos" Bilanz: Der Weg in in den Süden, in die Freiheit vor allem, ist zur bloßen Erinnerung geworden. Die Reiseziele sind vergessen. Dabei sind es nicht nur die in die Urlaubsgefilde, sondern auch die Ideale einer Generation, überhaupt die Ziele einer Lebensreise.

Gedichte als Flaschenpost

"Die Fahrten gehn zu Ende, / der Fahrtenwind bleibt aus", dichtet Ingeborg Bachmann. Ihre bebilderten Karten sind Spielkarten, doch ob sie Gewinn bringen? Das Kartenhaus kann genauso leicht in sich zusammenfallen.


Für Paul Celan sind auch Gedichte unterwegs. Er vergleicht sie, als er 1958 den Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen entgegennimmt, mit einer "Flaschenpost [...], aufgegeben in dem - gewiß nicht immer hoffnungsstarken - Glauben, sie könnte irgendwo und irgendwann an Land gespült werden, an Herzland vielleicht."

Auf und Ansichtskarten geschrieben, die sicher gut ankommen!

Eine "Postkarte vom Herbst" - auch sie ist möglich. Karl Krolow führt Sie mit seiner lyrischen Post an die Ränder der Welt: "Am Horizont / eine Stadt aus dem alten China: / Gewölk, das Papierdrachen / anzieht." Bestimmen Sie selbst, auf welche Reise Sie sich begeben und wie Sie davon Kunde tun.

In der Schreibnacht am 20. September 2018 - Achtung, eine Woche früher als gewohnt! -, bietet sich dafür gute Gelegenheit. Falls Sie noch organisatorische Details brauchen, finden Sie diese auf der Startseite zur Schreibnacht. Sie sind dieses Mal ausnahmsweise schon am vorletzten Donnerstag des Monats ab 19 Uhr herzlich "zum regen Schriftverkehr" eingeladen!

Zur direkten Buchung geht es gleich hier:

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