Augen & Blicke - Poetische Perspektiven

"Aus fremden Augen starrt die Stadt mich an" (Mascha Kaléko)

Schreibnacht online | Achtung! Mittwoch, 25. September 2019

Augensprache und poetische Blickachse. Zahlreiche, verschieden große gelb-orange-braune Pupillenscheibchen schauen den Fotobetrachter an. Schreibnacht Unternehmen Lyrik
© nitimongkolchai | Depositphotos

"Allesfresser Auge aufgerissen" nennt der Dichter Peter Rühmkorf das in unserem Kulturbereich so bevorzugte Sinnesorgan. Ist es aber noch das schöpferische Auge, das Johann Wolfgang Goethe mit der Sonne verwandt sieht? Oder das wie bei Rilke die Welt erschafft: "Mit deinen Augen [...] / hebst du ganz langsam einen schwarzen Baum / und stellst ihn vor den Himmel: schlank, allein. / Und hast die Welt gemacht."

Fast gierig wirkt Rühmkorfs "Allesfresser Auge aufgerissen", wie es sich bis zur "Explosion der Farben" nicht sattsehen kann. Wir richten unseren Blick aus, stellen ihn scharf auf Nah- oder Fernsicht, schauen aus den Augenwinkeln oder rundum. "Wo endet das Auge?", fragt Karl Krolow in seinen Versen. Selbst die unsichtbaren Welten scheint es zu durchdringen - notfalls mit Unterstützung. "Gespannt blickst du fern / durch dein Teleskop". In Günter Kunerts Gedicht "Hinter Horizonten" sorgt das optische Gerät für genug Reichweite.

Seelenbelang und Augensprache

"Erzähle - / sprich von den Augen unter den Lidern", beginnt eine Gedichtstrophe Ernst Meisters. Unser Sehen bleibt nach innen gerichtet durchaus aktiv. Wir tauchen in Traumwelten, holen Erinnerungen zurück oder entwerfen Zukunftsbilder. "die augen schließen / und durch fremde städte streifen / [...] / die augen schließen / und träume zu oasen tragen", schreibt Karin Hempel-Soos. Im Innenblick und in der Reflexion gewinnen die Gefühle Raum. "Beim Betrachten alter Fotografien" wandeln sich auch in den Versen von Rolf Haufs die Sichtweisen: "die / Spiele sind beendet die Augen / Haben andere Schatten".

Seelenlandschaften eröffnet ähnlich der Blick in die Augen eines geliebten Du. "Laß mich in deinem stillen Auge ruhen", bittet das lyrische Ich bei Max Dauthendey. Das Joseph von Eichendorffs erblickt in den Augen der Geliebten "des Himmels Quelle" und es ist für das Ich klar, dass "keine Lippe / solche Sprache führen kann."  Dem pflichtet Friedrich Rückert bei. Er definiert in seinem gleichnamigen Gedicht die "Augensprache" als eine "Sprache, vom Verstande nicht, / Nur vom Gefühl verstanden".

Auf in die Schreibnacht und den Blick neu ausgerichtet!

"Aus fremden Augen", so Mascha Kaléko, "starrt die Stadt [zwar] an", doch wer weiß, was sich hinter solchem Blick verbirgt. Ob Goethes "sonnenhaftes Auge" oder ein "Silberblick" von Günter Grass, es richten sich in dieser Schreibnacht eine Menge Augen auf Sie! Haben Sie Lust, alltägliche Blickwinkel in poetische Perspektiven zu verwandeln?

Am Mittwoch, 25. September 2019, ab 19 Uhr ist dafür gute Gelegenheit. Sie sind herzlich eingeladen und ich freue mich auf unseren Austausch.

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