Kleine Städte, große Städte

"Meinen Sie Zürich zum Beispiel" (Gottfried Benn)

Schreibnacht online | 28. November 2019

Großstadtgedichte - Schreibnacht Unternehmen Lyrik Foto-Stilisierte Skyline in zarten Blau-Grün-Tönen_ Depositphotos
© brudercz | Depositphotos (Ausschnitt)

Großstadtgedichte, die Anonymität und Entfremdung thematisieren, Strophen mit Kleinstadt-Idyllen, die Hommage an Lieblingsorte - alle zeigen: Ob unbedeutend, klein, alt oder weltbekannt haben Städte seit jeher in die Lyrik Eingang gefunden.

Rainer Maria Rilkes Satz hat immer noch Gültigkeit: "Um eines Verses willen muß man viele Städte sehen, Menschen und Dinge". Zog es die alten Dichter zu ihren Studien in den Süden, voran nach Venedig, Florenz und Rom, so tauchen ab dem 19. Jahrhundert auf den poetischen Reiserouten die Metropolen auf: Paris, Berlin, London.

Großstadtgedichte mit Metropolen aus aller Welt

Thomas Klings "Manhattan Mundraum" macht in seiner Körpermetapher deutlich, wie der Stadtschlund den Einzelnen verschlingt: "steinbrei,/ der dickt. "Verliebt in New York City" überschreibt Ludwig Fels sein Gedicht, das mit einem Kuss von "King Kong" beginnt. In der zeitgenössischen Dichtung wollen die Städte,  folgt man Heinz Kahlaus lyrischem Ich, erobert werden: "In meinem Kopf trag ich sie fort."

Grenzen gibt es kaum, zumindest was die Auswahl der Städte betrifft. Die Dichter/innen stecken ihre Reiseziele weit ab und nehmen ihre Leserschaft von Sydney über Prag und Düsseldorf bis nach Amsterdam und Wien mit. Worin liegen aber die Unterschiede, die einzelne Orte auszeichnen? Haben Reisen überhaupt Sinn? 

Reisen - Fluchtbewegung oder Rückbesinnung?

Gottfried Benn sieht - egal, ob Zürich oder Habana - im Abklappern der Städte eher die Flucht vor innerer Leere. Für Rose Ausländer ist der Weg in die Fremde immer auch die Rückerinnerung an die Bukowina, die alte Heimat am Pruth. Horst Bienek lässt auf seinen Streifzügen durch Sydney in der Einsamkeit des Reisenden ebenso die der früheren Einwanderer spüren.

Doch wie ist es zuhause? Wenn die Flugzeuge aus der Ferne zurückkehrend über das eigene Haus donnern wie in Brigitte Oleschinskis "Tempelhof Airfield" oder wenn bei Lutz Seiler Straßennamen - "ist doch nur die myliusstraße" - Lebensgeschichten erzählen?

Unter Denkmal und Glanz Schattenorte erkennen

Der Geschichte und ihrer vorschnellen Verdrängung nimmt sich Ernst Jandl in seinem politischen Gedicht "wien : heldenplatz" an. Hitler hatte 1938 auf dem Platz den Anschluss des Landes an das nationalsozialistische deutsche Reich verkündet.

Mit Jandls zahlreichen Neuwortbildungen und der provokant gegenläufigen Sprache bleibt vom Glanz eines Heldenplatzes wenig übrig: "der glanze heldenplatz zirka / versaggerte in maschenhaftem männchenmeere".

Auf in die Schreibnacht! Ein Städterätsel bringt Sie vorab in Stimmung.

Kommen Sie mit auf die Reise rund um die Welt! Ein Städterätsel lässt Sie vielleicht schon vorab ferne Ziele ins Auge fassen. Ob Sie also auf Entdeckung eingestellt sind oder Ihren Lieblingsort besuchen, im Stadtpark vor einem Denkmal verweilen und dabei Geschichte oder Geschichten aufrufen - auf unserer poetischen Städtetour lassen sich viele Spuren verfolgen.

Ich freue mich auf Ihre Reisegesellschaft! Sie sind herzlich zum geselligen Dichten am 28. November 2019, ab 19 Uhr eingeladen. Auf der Startseite zur Schreibnacht finden Sie noch ergänzende Informationen zur Anmeldung sowie zum allgemeinen Veranstaltungsablauf. Zur direkten Buchung geht es gleich hier:

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