Grusel- und Schauergedichte

"Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?" (Johann Wolfgang Goethe)

Schreibnacht online | 29. November 2018

Grusel- und Schauergedichte als Schreibnacht-Thema: Foto mit bizarren Baumschemen im hellgrauen Nebel
Quelle: Pixabay CC0

Mit Nebel und grau-düsterem Himmel bietet gerade der November eine gute Kulisse für Grusel- und Schauergedichte. Im nur ungefähren Licht, in dem sich Konturen auflösen, öffnen sich Gegenwelten - ob als andere Wirklichkeiten oder Imaginationen sei dahingestellt.

"Wer seid ihr brüchige Stimme was geht ihr / Als Hirsche verkleidet umher", heißt es in einem Gedicht von Sarah Kirsch. Ein anderes beginnt mit "Ich Erlkönigs Tochter" - und dieser ist das Watt genau der richtige Ort für ein Techtelmechtel mit zwei Apokalyptischen Reitern.

Bei Nacht und Nebel unterwegs

Das feuchte Element holt vor allem Ängste herauf. Ist es bei Annette Droste-Hülshoff das schaurige Moor, so kommen bei Eduard Mörike die "Geister am Mummelsee" den Berg herab. "Es orgelt im Rohr und es klirret im Schilf; / Nur hurtig, die Flucht nur genommen!" Doch auch hier scheint das Entkommen versagt wie im wohl mit bekanntesten Gedicht dieser Art, in Goethes "Erlkönig".

Tod und Geister als Begleiter

Ungeheuerliche Orte, Geistererscheinungen, rätselhafter Tod - in diesen drei Themenkreisen hat das Gruseln und Schauern seinen angestammten Platz. Da erscheint der Geist auf der Zinne wie bei Eichendorff, tauchen bei Max Dauthendey "Warmer Moder,/ Nackte Schädel" auf.

Das lyrische Ich in der Ballade Karl Krolows weiß, dass sich die Toten in die Gestalt von Hyänen oder Geißen verwandeln. Einen grausigen Fund macht schließlich der Bauer im Dornwald Theodor Kramers: "der ständige Frost hatte zart /  im Schneelicht die Ränder der Wunden bewahrt."


Den Schauer mit Ironie aufgelockert

Bei so viel Düsternis darf als Gegenpol Heinrich Heines Parodie "Die Fensterschau" mit dem "bleichen Heinrich" als Namensvetter nicht fehlen. Christian Morgenstern steuert sein "Gruselett" bei. Wenn darin schon der "Flügelflagel gaustert", so steigert H. C. Artmann in seinem "Blauboad" noch die Klangkulisse mancher Mordtat. Sie sollten das Gedicht vielleicht am besten vom Dichter selbst vorgetragen hören.

Losgeschrieben und dem November Grusel- und Schauergedichte gewidmet!

Wenn Sie also eine leichte Gänsehaut nicht scheuen und vor allem gerne eine solche poetisch hervorrufen wollen, dann sind Sie in der Schreibnacht am 29. November 2018 - ab 19 Uhr - herzlich willkommen.

Die organisatorischen Details finden Sie auf der Startseite zur Schreibnacht. Zur direkten Buchung geht es gleich hier:

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