Mondhelle Nächte

"Es war, als hätt der Himmel / Die Erde still geküßt" (Joseph von Eichendorff)

Mond Schreibnacht - Vollmond am violettfarbenen Himmel davor Schattengeäst
© nairsidd | SXC

Schreibnacht online | 26. Juli 2018

Der Mond macht es Lyrikerinnen und Lyrikern nicht leicht. Jahrhundertelang hat er sich schon in Gedichten verewigt. "und nachts den Mond wie Klopstock ihn sah  / […] wie Goethe  [./.]  wie Claudius [./.]  wie Hebel ihn sah", nimmt Rainer Brambach Bezug auf die Tradition.

Goethes "Hommage" an den Erdtrabanten, Eichendorffs romantische Sicht geben dem Gestirn als Seelenspiegel Ausdruck, Christian Morgenstern steuert mit seinem "Mondschaf" Humor bei - und die zeitgenössischen Dichterinnen und Dichter?

Noch immer dient das Mondmotiv der Sehnsucht und Liebe, wird zum Einstieg ins Naturgedicht. Gerade der Vollmond lässt Schauer oder in seinem fahlen Licht auch Krieg und Tod erahnen. Doch die mondhellen Nächte, zu denen gerade der Sommer verlockt, brauchen im Vers unaufhörlich Wandel und Inspiration, um dem Klischee zu entkommen.

Das Mond-Motiv - Aufbruch aus literarischer Tradition

Welche dichterischen Mondphasen und Gezeitenwechsel sind also bei so langer Motivgeschichte angesagt? Vielleicht lassen sich aus Peterchens Mondfahrt neue Perspektiven gewinnen oder ein Astronauten-Blick auf den Mann im Mond erhaschen? "Die Rakete sende ich, vom Jubelschweif gefolgt", kündigt das Sprecher-Ich bei Bernd Jentzsch an.

Ferdinand Hardekopf eröffnet dem "Spleen" freie, ironische Bahn: "verbrecher-hell" ist seine poetische Nacht. Der Mond wird zum Dotterball und Zitronen-Ei. Im Gedicht Annemarie Zornacks wird der Mond zur "melone", die unters Küchenmesser gerät. Auch bei Wolfgang Bächler zeigt sich die Himmelsscheibe "zerstückt". Was bleibt? "Auf blauer Schale ein Rest / erloschenen Golds".



Womöglich taucht Frau Luna auf. Pocht sie auf ihr Mondrecht und zieht neben Wölfen und Hasen weitere Symbole an? Bei Sarah Kirsch fliegen bei schwarzem Neumond die Gänse "höher als je zuvor“; mit "Schnee" und  "Morgenrot rot wie mein Blut" sind die Farben der drei Mondphasen präsent.

Auf zum Mond und neue Seiten entdeckt!

Mit Textbeispielen, vor allem auch mit Bildern und Fotografien öffnen sich während der Schreibnacht die Mondtore in noch wenig erkundete Regionen. Stoff gibt es in Hülle und Fülle, der nur den "anderen", den dichterischen Blick braucht.

Gehen Sie mit auf die poetische Entdeckungsreise und halten Sie am 26. Juli 2018 nach neuen Mondseiten Ausschau. Wer weiß, was sich auf lyrischer Mondbahn noch an Geheimnissen verbirgt!


Auf der Startseite zur Schreibnacht finden Sie ergänzende Informationen. Hier geht es gleich

weiter zur Anmeldung