Zahlen [Magie] im Gedicht

"100 g Gras, wie Licht, das sich bewegte" (Marion Poschmann)

Schreibnacht online | 28. März 2019

Zahlen[Magie] Schreibnacht Unternehmen Lyrik Haufen aus bunten Zahlen Fotolia-41651206
© Danilo Rizzuti | Fotolia

Zahlen bestimmen unser Leben. Vom Sekundentakt unsrer Uhren bis zu den Börsenkursen im steten Auf und Ab scheint der moderne Mensch von Ziffern verfolgt.

Ende des 18. Jahrhunderts klagte allerdings auch schon Novalis in einem Gedicht über die "Zahlen und Figuren". Mit ihnen versperrten seiner Ansicht nach die "Tiefgelehrten" seit der Aufklärung die wahre Sicht auf das Wesen der Dinge. Nur Märchen und das geheime Wort der Poesie hielten die richtigen Schlüssel zur Welterkenntnis bereit.

Magische Zahlenverbindungen

Doch es existiert seit langem schon ein anderer, ein magischer Zugang zu den Zahlen. Dieser versucht das Leben nicht nur in abstrakten Formen einzufangen, sondern stellt die Verbindung mit Naturerscheinungen und Himmelsgestirnen her.

So legten nicht nur Dichter des Mittelalters oder der Renaissance ihre Werke in raffinierter Zahlensymbolik an. Auch in unseren Tagen lassen sich in der Lyrik noch Geheimnisse, zumindest verblüffende "Zahlenkombinationen" aufspüren: "100 g Gras" - wer sieht im Alltag schon ein "kleines Rasenstück" aus dieser Perspektive wie Marion Poschmann?

Zahlen als poetische Größe

"Drei Orangen, zwei Zitronen" - um die Beispiel-Reihe fortzusetzen - sind für Karl Krolow Maßeinheiten seiner "Algebra der reifen Früchte". In einem weiteren Text des Lyrikers ist es "die Zeit der Zahlen", die "duftet im alten Ulmenschweigen". Gerrit Achterberg erstellt eine "Kleine Kabbalisitk für Kinder". Wohin die "Zahlenliebe" führt, wenn ein Logarithmus mitmischt, verrät Hubert Cremer.

Hans Magnus Enzensbergers besonderer Zahlenschatz

Von "106 verschiedene[n] Ehen" spricht Hans Magnus Enzensberger in seinem Gedicht "Atomgewicht 12,011". Ironisch fällt auch sein "Creditur" aus, ein Glaubensbekenntnis anderer Art: Dass die Erfindung der Null nämlich "kein Zuckerlecken" war, zeigt dort der Blick auf "Schulden, Abschreibungen".

Auch der "Zahlenteufel", ein Buch (nicht nur) für junge Leser, denen die Mathematik schlaflose Nächte bereitet, bezeugt, dass Enzensberger rechnerische Größen  literarisch einzufärben versteht.

Auf und mit Zahlen gezaubert!

"Von sieben Gründen / sind neun verborgen", heißt es bei Ernst Meister, und vermutlich kann nur die Dichtung ein solches Rätsel lösen. In der März-Schreibnacht spielen daher die Zahlen, ob im Gedicht als Ziffer oder Wort geschrieben, die Hauptrolle.

Wenn Sie Lust haben, gängige Maßeinheiten in poetische Größen zu verwandeln, oder wenn Sie mit Hilfe der Zahlensymbolik Ihre Gedichtaussage vertiefen wollen, sind Sie am Donnerstag, 28. März 2019 - ab 19 Uhr - zum geselligen Schreiben herzlich eingeladen.

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