Im Zauberkreis der Romantik

Newsletter | November 2007

Liebe Leserinnen und Leser,

Romantik - hinter Hügel aufsteigender Vollmond im Vordergrund Graswuchs im schwarzen Schatten
© dancerP | Fotolia

dass Dichter in ihren Werken unsterblich sind, bewahrheitet sich bei Joseph von Eichendorff allemal. Am 26. November jährt sich der 150. Todestag des großen Romantikers. Zehn Jahre lang arbeitete er in unterschiedlichen Ministerien in Berlin und wurde 1841 schließlich zum Geheimen Regierungsrat ernannt.

In seinen Novellen und Romanen, vor allem in seinen Gedichten übernimmt jedoch der Sprachzauberer die Macht. Der versteht - so der Titel des Vierzeilers unten - die "Wünschelrute" gut zu führen. Der eine oder andere Kunstgriff solcher Wortmagie lässt sich dabei durchaus abschauen. Eine neue Folge des Lyrik-Training Abonnements verrät mehr dazu.

Stimmen Sie sich mit Eichendorffs bekanntem Lied ein. Viel Spaß bei der Lektüre!

Romantik Zitatzeichen zu Eichendorffs Gedicht "Wünschelrute"

Schläft ein Lied in allen Dingen,/
Die da träumen fort und fort,/
Und die Welt hebt an zu singen,/
Triffst du nur das Zauberwort.

Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Wenn Sie übrigens zu den spät entschlossenen Weihnachtsmännern und Tannenbaumfrauen zählen, bietet zur heutigen Buchempfehlung auch der Newsletter Mitte Dezember noch Tipps in letzter Minute. Bis dahin wünsche ich Ihnen eine möglichst geruhsame Zeit  und grüße herzlich
Ihre
Michaela Didyk



Das sprechende Ich im Gedicht

Neu im Lyrik-Training Abonnement

Wählt ein Dichter für seine Verse die "Ich-Form", so übernimmt auch der Leser diese Perspektive. Das "Ich" - meist als "lyrisches Ich" bezeichnet - ermöglicht ihm eine rasche Identifikation. Gefühle, Worte, die im Text ausgedrückt sind, werden anhand eigener Erfahrung reflektiert, bestätigt oder verworfen. Das Gedicht zeigt so seine Wirkung.

Damit Leser jedoch in diese Ich-Rolle schlüpfen können, braucht es Abstraktion und insbesondere die Loslösung von biografischen (Dichter-)Details. Ob sich zudem das Ich als Ich einführt oder über die Objektform mich/ mir oder sogar nur über ein besitzanzeigendes "mein" (Leben, Herz etc.) definiert, lässt ein breites Spektrum an Gestaltung zu. Als Autor/in haben Sie daher mit der sprechenden Person Ihres Gedichts alle Fäden in der Hand, um Einfluss zu nehmen.

In der neuen Folge des halbjährigen Lyrik-Training Abonnement lernen Sie die feinen Unterschiede solchen Rollenaufbaus kennen. Dass Joseph von Eichendorff (wie auch Heinrich Heine) gerade ein Meister darin war, über das "Ich" den Leser in den Bann zu ziehen, können Sie in einem Kapitelausschnitt des Lyrik-Trainings überprüfen.


"Romantik. Eine deutsche Affäre"

Rüdiger Safranskis Blick auf die Romantik und ihre Modernität

Allseits gelobt, schlägt der Philosoph Rüdiger Safranski [Amazon-Link] mit seinem Buch "Romantik. Eine deutsche Affäre" ein neues Kapitel der Epoche zwischen 1770-1820 auf. Nicht Weltfremdheit, Seelentiefe und Irrationalität bestimmen die Epoche. Vielmehr greift ein Gegenprogramm zur allzu aufklärerischen Rationalität, das die Verlorenheit des modernen Menschen vorwegnimmt und im Geist des Romantischen bis heute wirkt.

In der Mischung aus Reflexion und anekdotischer Erzählung bietet Safranski einen spannenden Einblick in die virulente Zeit und zeigt ihre Ausläufer über Wagner, Nietzsche und Heidegger bis in die 1968er Jahre. Die Verknüpfung von Romantik und Politik in Deutschland bleibt Safranski jedoch suspekt. "Nicht Abenteuerlust, Wille zum Extrem, Intensitätshunger, Liebe und Todeslust", sondern "pragmatische Vernunft" sei in der Politik maßgeblich.

Hier finden Sie die ausführliche Rezension von Günter Ott.


Robert Schumanns Liederkreis op. 39

Die bekannteste Eichendorff-Vertonung

Zwölf Vertonungen von Eichendorff-Gedichten gehören zu Robert Schumanns Liederkreis op. 39 für Singstimme und Klavier, der 1840 erschien. Die "Mondnacht" zählt dabei zu den bekanntesten Liedern aus diesem Zyklus.

Joseph von Eichendorffs intensive Bildsprache bei gleichzeitiger Schlichtheit der Gedichte ließ Wort und Musik verschmelzen. Eichendorff selbst sah seine Lieder erst durch Schumanns Musik lebendig gemacht. [Beide Links zu Amazon:] Dietrich Fischer-Dieskaus oder Thomas Quasthoffs Einspielung des Liederkreises geben dafür ein Beispiel.

Lesestoff zur Vertiefung

Wer den Hörgenuss durch Lektüre vertiefen möchte, findet Aufsätze und Interpretationen in dem von Klaus-Heinz Metzger und Rainer Riehn besorgten Band: "Schumann und Eichendorff" [Amazon-Link]. Hintergrundwissen sowie eine Hörprobe erhalten Sie auch im Goethezeitportal, das Ihnen auch im nächsten Beitrag nochmals begegnen wird.

Doch nicht nur Robert Schumann wählte Texte des Dichters für seine Kompositionen aus. Ob Hugo Wolf, Hans Pfitzner, Felix Mendelssohn oder Erich Wolfgang Korngold - wer sich einen Überblick über die zahlreichen Vertonungen der Eichendorff-Gedichte machen will, findet auf dieser Lieder-Plattform mit den entsprechenden Stichworten reiche Auskunft.


Postkarten mit Eichendorff-Motiv im Goethezeitportal

Seit 2004 gibt es das Goethezeitportal des Instituts für Deutsche Philologie der Universität München. Das Portal versteht sich u.a. als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Mit dem bereitgestellten Material will die Einrichtung gerade die Phase zwischen 1770 und 1830, also Goethes Schaffenszeit, mit ihren kulturellen Höhepunkten in Literatur, Musik, Bildender Kunst und Philosophie beleuchten.

Natürlich geht es nicht nur um trockene wissenschaftliche Texte. Die Postkartensammlung mit Eichendorff'schen Motiven beweist das Gegenteil: eine Dokumentation, die das Romantikbild alter Tage zeigt.


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