"Wortspiele" & ein Lyrikkurs zum Frühling

Newsletter | März 2009

Liebe Leserinnen und Leser,

Newsletter Wortspiele - Collage aus hellbunten Zeitungsbiuchstaben
© tuja66 | Depositphotos

gibt es wirklich ein "Wissen, daß die Menschheit nie ohne Verse gelebt hat und ohne Verse nie leben wird"? Der Schweizer Literaturwissenschaftler Peter von Matt spricht es zumindest den Dichtern zu, die von der Dauerhaftigkeit ihrer Werke überzeugt sind.

"Die Dichtung gehört zum Planeten wie Blitz und Donner." Mit diesem Satz endet von Matt seinen Band "Wörterleuchten", zu dem Sie weiter unten mehr erfahren.

Zum Frühlingsanfang der Welttag der Poesie

Die UNESCO hatte wohl mehr Bedenken um den lyrischen Bestand und richtete vor zehn Jahren den "Welttag der Poesie" ein, der stets am 21. März zeitgleich mit dem Frühlingsanfang stattfindet. In Linz, der Kulturhauptstadt Europas 2009, können Sie vom 15. bis 18. April die Tage der Poesie mitfeiern. Das Festival unter dem Motto "Für die Beweglichkeit" verbindet Lesungen spartenübergreifend mit Vorträgen, Musik und Ausstellung.

Die Veranstalter legen dabei die ursprüngliche Bedeutung von „Poiesis“ als sinnlich-schöpferischen Prozess des Herstellens, Verfertigens und Vermittelns zugrunde. In solchem Dreiergespann lassen sich auch die heutigen Newsletter-Punkte zusammenfassen.

Ich wünsche Ihnen bis zur nächsten Ausgabe eine schaffensfrohe Phase. Wenn hierbei - mit derzeit dicken Schneeflocken vor dem Fenster - "grüne Ostern" dazukommen, um so besser!

Herzliche Grüße
Ihre
Michaela Didyk



Die Natur ergründen und Klischees vermeiden

Ein Lyrikkurs wider die Idylle

Johannes Bobrowski wollte seine Gedichte nicht als Naturlyrik eingestuft sehen. Ambivalent war und ist vielen zeitgenössischen Lyriker/innen die Bezeichnung Naturgedicht. Zu schnell verenge es sich auf Idylle, heile Welt und Abgehobenheit.

"Von überallher duftete es auf einen zu; kein deutscher Verseflechter, der nicht durch die Blume sprach", so nahm Peter Rühmkorf die Dichter der Nachkriegsgeneration aufs Korn. "Kalmusduft kommt wild und würzig/ Kraut und Rüben gleich Gedicht". Dass er dabei u. a. Wolfgang Weyrauch oder Günter Eich - zu Recht oder Unrecht - im Visier hatte, machen die Schlussverse seiner "Naturlyrik" (1959) deutlich, lassen sich mit den Nachnamen doch vortrefflich Pflanzen benennen.

Mit Fragen der Naturdichtung neue Möglichkeiten eröffnen

Im viertägigen Lyrikkurs online vom 23. bis 26. April stehen Gedichte mit Bezug auf die Natur im Mittelpunkt. Ausgangsbasis sind Texte von Marie Luise Kaschnitz, Sarah Kirsch, Thomas Kling, Friederike Mayröcker, Reiner Kunze, Galsan Tschinag oder eben Bobrowski.

  • WelcheNaturmotive verwenden diese Dichter/innen,
  • wie ändern sie den Kontext, damit die poetische Sprache unverbraucht neue Blickwinkel öffnet?
  • Auf welche Weise sind Jahreszeiten, Monate oder Naturraum übergreifend mit gesellschaftspolitischen Themen oder
  • mit der Liebe und schließlich,
  • sogar mit der Reflexion auf die Dichtung selbst verknüpft?

Die Natur war traditionell die Quelle der Inspiration. Ausgedient hat sie in dieser Rolle auch bei Sprachspiel und Versexperiment nicht. Die detaillierten Informationen zum Lyrikkurs finden Sie hier.


"Wortspiele" mit jungen Autorinnen und Autoren

"Drei Nächte Kontakte, Austausch und Spaß für junge europäische Autoren und ihre Leser", lautet das Konzept des Internationalen Festivals für junge Literatur "Wortspiele". In München 2001 gestartet, ab 2004 auch jährlich in Wien veranstaltet, erhalten Autor/innen eine Plattform, um sich mit eigenen Texten zu präsentieren. Initiator Johan de Blank versteht das Festival als "ein Treffen für junge Autoren verschiedener Couleur" und zielt auf "ein junges, urbanes Publikum mit eigenen Bedürfnissen und neuem Selbstverständnis".

Wollen Sie in der Literaturszene auf dem Laufenden bleiben, lohnt sich ein Besuch des Festivals oder zumindest - online - ein Blick auf die Namen der Nachwuchsgeneration. Auf zehnseiten.de können Sie auch aus der Ferne der (vom Festival unabhängigen) Lesung des einen oder der anderen AutorIn beiwohnen.


"Wörterleuchten. Kleine Deutungen deutscher Gedichte"

Ein kurzer Text folgt dem Gedichtabdruck: Wer die FAZ am Samstag liest, kennt die von Marcel Reich-Ranicki begründete "Frankfurter Anthologie", in der lyrische Texte quer durch die Jahrhunderte vorgestellt werden.

Peter von Matt, emeritierter Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich und beredter wie belesener Gast in Literaturrunden, ist auch als Autor bei der FAZ-Reihe aktiv. 60 seiner Gedicht-Artikel sind nun in seinem Band "Wörterleuchten: Kleine Deutungen deutscher Gedichte" versammelt.

Von Friedrich Schiller bis Michael Krüger und Monika Rinck, von Hermann Hesse bis Stefan George und Else Lasker-Schüler - zu jedem Gedicht und seinen Verfasser/innen steuert von Matt Tiefsinniges, Humorvolles, in jedem Fall den Horizont Erweiterndes bei.

Lesevergnügen und Denkstück

"Die pointierten, erhellenden, in einem vorbildlichen Deutsch vorgetragenen Ausführungen Peter von Matts", schreibt der Literaturkritiker Günter Ott, "kommen auf eineinhalb bis zwei Seiten unter. Das Gedicht findet wie selbstverständlich zu seiner Deutung, und beides wird als Lesevergnügen und Denkstück an den Leser weitergereicht." Der Titel "Wörterleuchten" könnte nicht besser passen.
Die gesamte Rezension zu Peter von Matts Buch finden Sie hier.


Einsatz für den Blockade-Notfall: Zwei Sondermagazine bei TextArt

Das Magazin TextArt rangiert in der kreativen Schreibszene in Spitzenposition. Die Hefte mit Tipps, Interviews, Hintergrundberichten, Buchbesprechungen und Informationen - exakt auf die Bedürfnisse der Autor/innen zugeschnitten - kommen viermal pro Jahr heraus. Zwei Magazine sind nun zusätzlich erschienen:

Themenheft 1 befasst sich mit der Schreib-Inspiration: Ob Ihre "Ideen sprudeln wie ein Bach im Frühling" oder Ihnen die "Illumination auf dem Sofa" lieber ist, liegt ganz in Ihrem Ermessen.

Das Textart-Sonderheft enthält dagegen aus den ersten vier Jahren des Magazins  die besten Praxisartikel. Sie finden Anregung, wie Sie den Alltag ausklammern, um Ruhe zum Schreiben zu finden. Oder Sie bannen das Schreckgespenst eines leeren Blattes, das Sie lähmt. Dichter/innen, die neben der Lyrik zugleich an Roman und Erzählung arbeiten, haben  hier vor allem Gewinn.

Wer also im Blockade-Notfall solche "Gebrauchsanweisungen" gebündelt zur Hand hat, bringt Pegasus schnell wieder auf Trab.


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Verantwortlich im Sinn des Presserechts: Michaela Didyk M.A.