Auf in den Literaturmarkt! | Eine besondere Bücherschau

Newsletter Nr. 46 | Oktober 2017

Unternehmen Lyrik Bücherschau Bildausschnitt: Buchfalz mit bunten Seiten
© Andrea Sachs | Fotolia

Liebe Leserinnen und Leser,

die Frankfurter Buchmesse ist vorbei. Doch die Veranstaltungen der unabhängigen Verlage und Kleinverlage, die für Sie als Autor/in gerade interessant sind, stehen noch aus. Daher will Ihnen die "Bücherschau" in diesem Herbst-Newsletter Ansporn für Ihre Publikation geben.

Müssen Ihre Gedichte unbedingt im herkömmlichen Buchformat erscheinen? Kurze Gedichte haben gegenüber Romanen Vorteile. Vielleicht kann ein Künstlerbuch oder ein Leporello eine spannende Alternative sein. Selbst ungeschriebene Bücher haben manchmal Aussicht auf eine Veröffentlichung :-)

Damit das Schreiben trotz aller Bücherschau auf Ihrer Tagesordnung bleibt, gibt es auch hierfür eine Anregung, nämlich ein besonderes Lexikon für Sprachspielereien, das Ihnen Günter Ott als Gastautor im Blog vorstellt.

Viel Inspiration wünscht Ihnen
Michaela Didyk



Künstlerbücher zum Anschauen - oder Ideen für die eigene Edition

Carla Capellmann schreibt als Sprachspielerin nicht nur besondere Gedichte wie "kubus" oder "praep.spiele". Die Lyrikerin ist auch in der außergewöhnlichen Textsammlung "Halb-offene HandlungsRäume" vertreten.

Durch das spannende Buchobjekt bin ich auch auf die Seite von Constanze Kreiser aufmerksam geworden. Die Künstlerin und Architektin zeigt mit ihren Projekten, wie Texte Raum gewinnen und sich sinnlich präsentieren. Ob Einzelblatt, gefaltete Karte, Leporello oder Buch - in der hohen Professionalität springen die Funken über, und man wünscht Gedichten viel häufiger ein solches Zusammenspiel mit der Kunst.

Künstlerbücher, so definiert Kreiser, "stiften Zusammenhänge zwischen Texten und/oder Bildern. Gleichzeitig lassen sie auch einen Ausbruch aus der Abfolge des Lesens in die Spontanität des Schauens und bildhaften Begreifens eines Konzeptes zu."

Künstlerbücher als eigenständige Kunstwerke

Seit den 1950er Jahren etablieren sich Künstlerbücher als eigenständige Kunstwerke, die zunehmend in Bibliotheken und Museen zuhause sind. Von 1. Dezember 2017 bis 2. April 2018 stellt die Hamburger Kunsthalle Publikationen und Fotobücher aus dem eigenen Bestand aus.
Die Schätze der Bayerischen Staatsbibliothek München sind noch bis 7. Januar 2018 zu sehen: Vom futuristischen Manifest bis zum begehbaren Buch ist eine eindrucksvolle Auswahl an Künstlerbüchern geboten. Lesen Sie darüber in meinem Blog mehr »

Dass Künstlerbücher auch in eigener Gestaltung Erfolg haben, belegt der schon in früherem Newsletter vorgestellte Bild- und Collagen-Band von Magret Peper. Starten Sie doch mit einer Karte oder mit einem Lesezeichen und experimentieren Sie - für sich, mit Grafiker/in oder (Foto-)Künstler/innen. Weihnachten rückt näher - eine gute Gelegenheit, Ihre Gedichte als Unikat oder in überschaubarer Auflage auf den Weg zu bringen!


Auf zum Treffpunkt unabhängiger Verlage und Kleinverlage!

Sie suchen einen Verlag, um Ihre Gedichte zu veröffentlichen? In den kommenden Wochen geben Ihnen diverse Veranstaltungen Gelegenheit, einen Schritt weiterzukommen.

Rund 30 unabhängige Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentieren im Literaturhaus München unter dem Motto "Andere Bücher braucht das Land" ihr Angebot "jenseits des Mainstream" (2./3. Dezember). Auf der BuchBerlin 2017 stellen rund 280 unabhängige Verlage und Selfpublisher ihr Programm vor (25./26. November). "Print it, Baby!" heißt es im Literaturhaus Freiburg (4./5. November) und für BuchLust ist in Hannover gesorgt (18./19. November). Swips lädt schließlich in Basel zum Tag der unabhängigen Verlage ein (11. November). Das Buchquartier öffnet in Wien seine Tore (9./10. Dezember).

Die Messe der Mainzer Minipressen fällt aus diesem Rahmen, ist jedoch als spezielle Veranstaltung von Kleinverlagen und Handpressen gerade für Künstlerbücher interessant. Sie findet generell nur alle zwei Jahre im Sommer statt. Wegen ihrer wertvollen Adressen für Ihre Verlagsrecherche sei sie dennoch genannt. Dazu gleich mehr.

Sichten und sondieren

Bei den Veranstaltungen direkt dabei zu sein, lässt Sie nicht nur in Büchern stöbern. Sie können den meist überschaubaren Treffpunkt vor allem nutzen, damit Sie mit Verlagsleuten ins Gespräch kommen. Aber Achtung, verzichten Sie darauf, gleich Ihr Manuskript überreichen zu wollen, sondern loten Sie lieber erst Möglichkeiten aus.

So erfahren Sie aus erster Hand, ob Verlage über die Betreuung ihrer "Hausautor/innen" hinaus noch Spielraum für weitere Editionen haben. Oder Sie finden heraus, dass schon drei Texte für eine erste Einsendung reichen anstatt des Gesamtentwurfs. Sie gewinnen - als wichtige Erfahrung - mehr Einblick in die Verlagslandschaft, lernen Namen kennen und können überprüfen, ob Sie sich im Sortiment auch mit Ihren Texten wohlfühlen. Es geht nicht um Publikation um jeden Preis, sondern um die genau passende.

Verlagsverzeichisse für Ihre Recherche

Natürlich sind die oben genannten Veranstaltungen nur eine Auswahl. Geben Sie in den Suchmaschinen am besten Ihren Standort ein, ihr nächstes Literaturhaus oder rufen Sie die Portalseiten von indiebook oder independent-verlage auf, um mehr Informationen zu erhalten.

Auch für den Fall, dass Sie kein Literaturhaus "um die nächste Ecke" haben oder generell Ihre Verlagssuche (spätestens an Silvester) ganz oben auf Ihre Vorsatzliste schreiben, ist gesorgt. Denn diese beiden Plattformen stellen mit dem Katalog der Kurt Wolff Stiftung und dem Jubiläumsband von SWIPS Verlagsverzeichnisse als Download bereit, die Sie zu Ihrer Web-Recherche jederzeit heranziehen können.

Ebenso finden Sie bei den Veranstaltungshinweisen der Literaturhäuser einschließlich Mainzer Minipressen Aussteller-Verzeichnisse, so dass Sie über einen reichen Adressenfundus verfügen. In gut dosierten Schritten lassen sich Ihre Verlags-Favoriten eingrenzen, auch wenn die Recherche zugegeben mühsam bleibt. Doch sie erspart Manuskript-Einsendungen nach dem "Gießkannenprinzip" und verschafft Ihnen eine günstigere Ausgangsbasis.


Aktuelles Kursangebot im November

Im November findet die letzte Schreibnacht in diesem Jahr statt. Das neue Angebot bis Frühjahr 2018 erfahren Sie im nächsten Newsletter.

  • Von Dunst und Nebel - "halbblind bin ich in deinem rippenlicht" (Uljana Wolf)
    Schreibnacht online | 30. November 2017
  • In der Zwischenzeit können Sie im "Wandelspiel" kostenlosen Rat einholen. Mit rund hundert Zitaten geben Lyriker/innen und Literaturkenner Auskunft über Gedichte und was ihre Qualität und Wirkung ausmacht.

    Wenn Sie Buchtitel für Ihren Weihnachts-Wunschzettel suchen, finden Sie in den Quellenangaben der Dichterworte entsprechende Tipps.

Ungeschriebene Bücher, die es in sich haben

"Erster unter Gleichen" von Nora Bossong, "Das Buch der Titel und Untertitel" von Barbara Köhler, "Das H-Poem" von Durs Grünbein - in Ihrer Buchhandlung werden Sie nur ein Kopfschütteln ernten: Die Bücher existieren nicht.

Es sind lediglich Buchträume, die in der "Bibliothek der ungeschriebenen Bücher" [Amazon-Link] gesammelt sind. Annette Pehnt, Friedemann Holder und Michael Staiger haben Titel zusmmengetragen, die 71 Schriftsteller/innen der Gegenwart verworfen haben oder die im Verlag Ersatz fanden. Die Herausgeberin und ihre beiden Kollegen wollten den Verlustgeschichten auf den Grund gehen: "Nicht jeder Titel findet nämlich sein Buch, und nicht jedes Buch bekommt seinen Titel. Hinter Titeln tänzeln ungeschriebene Bücher, von denen wir Leser kaum zu träumen wagen."

Das Verkaufsargument der Verlage

Wer von Monika Rinck den Band "Verzückte Distanzen" [Amazon-Link] kennt, erfährt durch die Geschichte hinter dem Titel, dass er anders lauten sollte. Die Dichterin konnte sich nur schwer mit dem Verlagstitel anfreunden: "Würfeln mit Cowboys - so hieß privat sehr lange mein erster Lyrikband". Zum vorgeschlagenen Verlagstitel startete Rinck eine Umfrage im Freundeskreis, der ihrer Ablehnung mit Urteilen wie  "süßlich" oder "auf Pink viel zu jung" Recht gab. Nichtsdestotrotz erschien der Debütband, wie der Verlag es gut fand. Im Resümee der Autorin bleibt die Skepsis zu spüren: "aus einer gewissen DISTANZ heraus gesehen, [ist es] sicher nicht die schlechteste Entscheidung gewesen".

Hunde im Titel sind tabu

"Musik in den Träumen von Hunden" - auch bei Rolf Lappert erfolgte Einspruch: "Zu sperrig. Zu poetisch. Zu viel Hund. (Es gibt eine Menge Menschen, die Hunde nicht mögen und das muss bei der Titelwahl berücksichtigt werden.)" Lappert hatte das Glück, selbst einen anderen Titel wählen zu können. Doch den ursprünglichen schmuggelte er in die Geschichte: "Jetzt heißt eben ein fiktives Buch so. Immer noch besser als für immer verloren."

Buchtitel, die im Cover aufleben

Wie sehr Titel schon die Hoffnung des fertiggestellten Buchs in sich tragen und nicht so leicht loszulassen sind, wird in dieser amüsanten und zugleich hintergründigen Geschichten-Sammlung deutlich. Ein Genuss ist es daher, alle Buchträume mit passendem Cover realisiert zu sehen. Studenten der Karlsruher Hochschule für Gestaltung entwarfen zu jedem Titel einen Umschlag; er ist der jeweiligen Verlustgeschichte als Illustration beigefügt. Auf Anhieb gefällt mir der Leineneinband mit Würfelaugen samt Cowboy-Titel viel besser als meine pinkfarbene Ausgabe "Verzückte[r] Distanzen" im Regal!


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