Perle, Sand und Muschelklang | Gedichte rund ums Meer

"Schaum der Wellen dir zu Füßen trieb" (Marie Luise Kaschnitz)

Schreibnacht online | 25. Juli 2019

Muschel, Perle, Sand und Meer Lyrik-Schreibnacht | Nahaufnahme einer perlmutt glänzenden Muschelspirale
© mychadre77 | Depositphotos

Gedichte rund ums Meer lautet der Untertitel der Schreibnacht. Doch es wird nicht ausschließlich um Naturgedichte gehen. Denn das Trio Perle, Sand und Muschelklang kann die poetische Sprache mit starker Symbolwirkung auffüllen.

"Die Geburt der Venus" - das bekannte Gemälde des Renaissance-Künstlers Sandro Botticelli zeigt die Liebesgöttin, wie sie in einer großen Muschel steht und darin ans Ufer gleitet. Auch der alte Meergott Triton verwendet ein Muschelhorn, um das Meer aufzuschäumen. Dabei steht ihm Boreas, der Nordwind, nicht nach. Ihm ist die Muschel ebenfalls als Erkennungszeichen beigegeben.

Die Muschel der Pilger

Im Mittelalter ziehen Pilger über Santiago de Compostela weiter zum "Ende der Welt", um am Cap Finisterre eine Jakobsmuschel für ihren Heimweg an den Hut oder Gürtel stecken zu können. So bezeugen sie ihre Wallfahrt und steigern nach der Rückkehr mit dieser Kostbarkeit ihr Ansehen in der Heimat. Muscheln dienen den Pilgern aber auch dazu, auf ihrem Weg Wasser zu schöpfen. Der heilige Jakobus als Schutzpatron der Pilger wird daher im Lauf der Zeit mit einer Muschel dargestellt.

Die sprechenden Namen von Muschel und Perle

Dass Jakobsmuscheln in unseren Tagen eher den Küchenzettel bereichern, mag vielleicht nicht der Frömmigkeit einer Pilgerfahrt entsprechen, jedoch für das Seelenheil von Genussmenschen sorgen. Was ließe sich als poetische Delikatesse hier noch aus Venus- und Herzmuschel, aus Miesmuschel, Auster und Meermandel zaubern?

Mit der Muschel rückt sofort die Perle - ebenso mit sprechenden Namen als Zucht-, Biwa- oder Mohnsamenperle - in den Brennpunkt. Und mit ihrer Entstehung ist wiederum der Sand verknüpft, besser das Sandkorn. Doch ob dieses als Auslöser eines Wachstumsprozesses noch gesichert ist, zieht die Wissenschaft inzwischen in Zweifel. So ließe sich durchaus auch lyrisch eine neue Zuordnung treffen :-)

Die Aufladung zum literarischen Symbol als Schreibnacht-Schwerpunkt

  • Wie werden diese meist dem Meer zugeordneten Begriffe jedoch überhaupt zu literarischen Symbolen?
  • Wie versinnbildlichen Muschel, Perle und Sand Schönheit und Ewigkeit, Vergessen oder die Transformation von Leid?

Das Meer ist nicht nur auf Sand gebaut - auf ins gesellige Schreiben!

Als Thema an sich schiebt sich das Meer zwar in den Hintergrund, doch im Blick auf seine "Details" lässt sich eine Menge poetischer Stoff gewinnen. Dass dies über die Jahrhunderte schon geschehen ist, macht die Herausforderung an Sie als zeitgenössische Dichter/innen umso spannender. Die Gedichte rund ums Meer sind also nicht einfach auf Sand gebaut.

Ob Funken aus Texten beispielsweise von Wolfgang Borchert, Gottfried Benn und Gertrud Kolmar, ob aus denen von Friederike Mayröcker, Björn Kuhligk und Nora Bossong überspringen, das Motto des Abends lautet: Dichten Sie, "was das ohr […] aus den fernen, hellen muscheln schöpft" (Franz Josef Czernin). Sie sind am Donnerstag, den 25. Juli 2019, ab 19 Uhr herzlich zur Schreibnacht eingeladen.

Auf der Startseite zur Schreibnacht finden Sie noch ergänzende Informationen zur Anmeldung und zum allgemeinen Veranstaltungsablauf. Zur direkten Buchung geht es gleich hier:

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